Faster than a supersonic-passenger-liner

On Sunday, 10th of May 2015, Chris Burden died of skin cancer in the age of 69. For the critics of the 1970s who wondered whether he would survive the decade of Body Art, he made a pretty long career as he became an influential teacher at UCLA, where he was the dean of the art department. Besides being a teacher, his spectacular performances and installations made him a general example of an artist who takes risks and shows, what you can achieve by pushing the limits of your body and art. He took the risks of being shot at and of folding himself in a 2 by 2 by 3 feet locker for five days.

Chris Burdens Arm, Köln 1992, Foto: johnicon, Courtesy: NONNOMPRESS, Kiel; VG-Bild-Kunst 2014

Chris Burdens Arm, Köln 1992, Foto: johnicon, Courtesy: NONNOMPRESS, Kiel; VG-Bild-Kunst 2015

When he turned to create objects by building the B-Car in 1975, he did not give up this spirit of performance-art, but instead created monuments of human triumphs over the limits of the physical. In 1977 he took a banal rubberband powered airplane made by paper with him when entering the Air France supersonic-passenger-liner from Paris to Washington D.C. just to prove that it can fly faster than the Concorde at Mach 2.05 groundspeed.

For those who doubt that his later large scale installations have something in common with performance art, one can say, that they are monuments of the ludicrous, as part of the poetic capability which is reinforced by will and imagination. At first glance it seems crazy to imagine one could meet a flying steamroller in reality. Not so in the exhibitions of Burden, where he achieved things which seemed impossible. In the MAK in Vienna you could encounter the “Flying Steamroller” in 1991. These installations are monumental for the spirit of performance art, as they show that steadiness and leverage are virtues of performers making big things move. And he was aware of the dangers of the big, careful to control the big and the destructive potential of the big. This was demonstrated by Samson in 1985, when he used a 100-ton jack, which was connected via gear box to the turnstile of entrances in Museums and galleries. Should hundreds of thousands of visitors have attended Burden’s art show, his work of art would have destroyed the walls of these buildings.

These works were under the control of the artist. But the “Fist of Light” consisting of 116 halide light fixtures and cooling systems, which could change black into white hit him metaphorically and in reality. The light, a constant theme of his art, could not destroy him, but the sunshine did.

Johannes Lothar Schröder

Kriegswütige Männer + Kunstverweigerer

Hugo Ball über Hans Leybold

Vor 100 Jahren zog eine Generation junger Männer blindwütig in die Schlachten des Weltkriegs. Einen von ihnen – Hans Leybold – hob sein Freund Hugo Ball am 12. Februar 1915 in einem Nachruf im Architektenhaus in der Berliner Wilhelmstraße 92-94 den Streitsüchtigen und Scheiternden hervor. „Die weißen Blätter“ druckten den Text im April 1914 in der Rubrik „Glossen“ ab.

Ball erinnerte an die Versuche, mit denen sich der junge Schriftsteller – stellvertretend für die nach vorne strebende Gruppe – zu profilieren versuchte: »Inzwischen verspritzten wir Glossen und Gedichte, nach allen Seiten. „Die Revolution“ verkrachte nach 5 Nummern. Leybold wurde nacheinander Mitarbeiter des „März“, der „Aktion“, der „Zeit im Bild“, der „Tat“. (…) Er fiel Athleten an, Kunstturner, Studenten, Cafétiers und stiftete auf diese Weise eine Art abgekürzter Polemik. Er hielt es für ganz unwichtig, Literatur zu machen und für sehr schwer, ein deutscher Schriftsteller zu werden, weil das eine contradictio in adjecto sei.

Aber das alles half ihm nicht. Eines Tages, mitten ihm (sic!) Krieg stürzte er vom Pferd, vor der Stadt Namur, kam zurück nach Berlin, pflanzte einen Vollbart ins Café des Westens und begab sich in seine Garnison Itzehoe, von wo er depeschieren ließ, er sei mit dem Tode abgegangen.“

Nach Erhalt des Heftes beschwerte sich Ball über die redaktionellen Kürzungen in einem Brief: „Die – stilistisch – spitzesten Sachen sind weggefallen. Die Sache sieht aus wie eine geköpfte Distel. Ich ärgere mich sehr.“

Un-Künstler

Contradictio in adjecto, ein Widerspruch gegen das Substantiv durch das Adjektiv, bezeichnet ein Phänomen, das heute in der Diskussion über Verweigerungskunst wieder aktuell geworden ist, nachdem sich Kritiker auf die Suche nach Künstlern gemacht haben, die sich weigern, beim Kunstproduzieren mitzumachen. Trotzdem setzen sie sich mit Kunst auseinander, wodurch letztlich doch etwas hervorgebracht wird. Welches Begriffspaar könnte diese künstlerische Haltung adäquat zu bezeichnen? Wie könnte in diesem Fall das passende Oxymoron lauten?

Allan Kaprow hatte 1971ff mit drei Aufsätzen über die Ausbildung zum Unkünstler („The Education of the Un-Artist“ in der Art News) versucht, dieses Phänomen sogar als Ziel der Kunstausbildung zu fassen. Darin sagte er zahlreiche Tätigkeitsfelder z.B. aus dem Bereich des Sports und der Freizeit voraus, die heute von erfolgreichen Unternehmen bedient werden.

Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Anregungen aus der Kunst in die Alltagswelt eingeflossen sind, ist nicht mehr unbedingt die Verweigerung des Kunstmachens ein Oxymoron, sondern die Tatsache, dass Relikte der Verweigerung von Kunst Einzug in Ausstellungen, Sammlungen und ins Museum erhalten haben.

Die gemeinsame Emanzipation von Performance-, Medien- und Frauenkunst

Auf einem Podium über die Ausstellung feministischer Kunst in der Hamburger Kunsthalle am 23. April 2015 stellte Claudia Reiche als Moderatorin mehrfach die Frage nach der Fortführung der Positionen der 1970er Jahre in die Runde mit Kerstin Cmelka, Hanne Loreck und Annegret Soltau und fragte auch nach der Rechtfertigung des kriegerischen Avantgarde-Begriffs. Die Antworten der drei Generationen gaben Auskunft über die eigenen Erfahrungen mit dem Impuls der 1970er, doch blieben weitergehende Gedanken auch mangels Konkretion der Fragen durchweg hinter dem schon Bekannten zurück.

„The Amazing Decade“

Die Vorstellung von Avantgarde betreffend sei an den durchschlagenden Titel des Buches von Moira Roth The Amazing Decade erinnert, das 1983 bei Astro Artz in Los Angeles erschienen ist. Im englische Adjektiv amazing, das ‚überraschend‘ bedeutet, klingt zugleich auch Amazone an, was in der englischsprachigen Literatur auch für eine starke Frau (Amazon) benutzt wird und heute von einem Online-Händler vereinnahmt worden ist. In diesem Buch über Performances von Künstlerinnen in den 1970ern, wird der Impuls von Frauen als entscheidender Beitrag dieses Jahrzehnts herausgestellt. Diese früh erfolgte theoretische und historische Klärung des Beitrags von Frauen für die Kunst ist beispiellos und hat neben den Beiträgen von Lucy Lippard dazu beigetragen, die amerikanische Kunst nach der Abstraktion und Pop Art aus weiblicher Sicht in Position zu bringen.

Die Diskussion in Hamburg machte nun 30 Jahre später den Versuch, die Positionen von Künstlerinnen ohne einen Blick auf die sich parallel entwickelnde Performance-Art zu bestimmen. Obwohl die Ausstellung voller Fotos hängt und durch zahlreiche Videos ergänzt wird, blieb auch die zunehmende Bedeutung von Medien wie Fotografie und Video für die Selbsterforschung, -beobachtung und –darstellung unberücksichtigt. Daher war man nicht in der Lage, die Äußerungen von Annegret Soltau aufzugreifen, die seit ihrer Studienzeit reproduzierende Medien benutzt. Sie begann mit Druckgrafiken und dokumentierte ihre Aktionen später mit und vor der Kamera, womit eine künstlerische Brücke zu Videoarbeiten der 1974 geborenen Kerstin Cmelka bestand. Der sich hier bietende Einstieg blieb leider offen.

Die Chancen des Undefinierten

Ohne den Weg über die Bedeutung der bildgebenden fotografischen und elektronischen Medien lässt sich nicht verstehen, dass die fehlende Anerkennung dieser Techniken in den 1970ern die Künstlerinnen von vorne herein aus der damaligen Kunstwelt ausschloss. Das Positive daran war, dass die Geschichte der Neuen Medien damals noch nicht geschrieben war, weshalb ihr für die Emanzipationsbestrebungen große Bedeutung zukam; denn sie waren vom – damals durchweg männlichen – Kunstestablishment noch unbeleckt. Auf den noch nicht durch Definitionen umrissenen Freiraum hatte damals zuerst Ulrike Rosenbach hingewiesen, die diese Erkenntnisse bei ihrem Aufenthalt in den USA gewonnen hatte, wo die feministische Szene mit politischen AktivistInnen vernetzt war. Bündnisse zwischen fortschrittlicher Kunst und Politik waren in Deutschland dagegen wegen der Vorbehalte der Linken gegen Kunst und neue Technologien schwierig oder gar nicht möglich, wodurch die Durchschlagskraft der alternativen Bestrebungen in der Kunst stark eingeschränkt war. Selbst für die von Männern bestimmte Szene um Joseph Beuys gab es bei den Grünen wenig Resonanz, und Künstlerinnen, die wie Rosenbach Professorin in Saarbrücken wurden, konnten alleine in einer überwiegend kommerziell bestimmten Kunstlandschaft wenig erreichen. Die Resonanz musste über den Markt errungen werden, was sich auch daran zeigt, dass in Hamburg 45 Jahre später mit dem Titel „Feministische Avantgarde der 1970er Jahre“ aus einer Sammlung präsentiert wird.

Eigene Institutionen setzen Positionen durch

In den USA wurden dagegen in den 1980ern von Frauen starke Zentren gegründet und geleitet, von denen nur The Womens Building von der Künstlerinnengruppe The Waitresses in Los Angeles explizit feministisch ausgerichtet war, alle anderen jedoch zur Durchsetzung von alternativen Künsten gegründet worden waren: Dazu zählen die Zeitschrift High Performance (Claire V.C. Peeps, Linda Burnham) in Los Angeles; Franklin Furnace (Martha Wilson) und New Museum (Marcia Tucker) in New York City. Diese dienten der Durchsetzung von Performance- und Medienkunst und dienten damit auch dem Anliegen feministischen Kunstschaffens. Dagegen mussten die Protagonistinnen in Deutschland auf den Erfolg des „Marschs durch die Institutionen“ bis nach der Wende warten, als erste Professorinnen einflussreiche Positionen erringen konnten und die Performance-Forschung auch in Deutschland eine akademische Disziplin wurde. Eine Ausnahme stellt die 1981 von Elisabeth Jappe und Alf von Kries gegründete Moltkerei in Köln dar.

Parallel zu den wissenschaftspolitischen Entwicklungen ist es nicht ohne Spuren geblieben, dass Künstlerinnen auf der Suche nach Identität – und diese Frage wurde auch in dieser Diskussion gestellt – das Persönliche und Private thematisiert haben. Auch wenn diese Position weiterhin als un-künstlerisch kritisiert wird, so zeigt sich, dass das Private in der Kunst das Bewusstsein für den Wechsel zwischen den verschiedenen Rollen und Funktionen geschärft hat, die die meisten von uns im privaten, öffentlichen und beruflichen Leben nicht selten innerhalb eines Tages einnehmen. Diese erfordern mehr oder weniger wechselnde äußerliche und innerliche Dispositionen, denen durch Verhaltensweisen, Bekleidung, Haltung und Umgangsformen entsprochen wird. Insofern entstand durch diesbezügliche Recherche und Dokumentationen ein Bewusstsein für den nicht nur in einem Lebenszyklus sondern permanent sich verändernden Körper. Und diese seine performance und Darstellung ist ja wohl seit jeher ein Thema der Kunst. Kein Wunder also, dass Performa in New York City (organisiert von RoseLee Goldberg, on twitter: @performaNYC) sich dieses Jahr dem Thema Renaissance widmet.

Johannes Lothar Schröder

Ausstellung » Feministische Avantgarde der 1970er Jahre. Werke aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien« Kunsthalle Hamburg noch bis 31. Mai 2015