Johannes Lothar Schröder zum Tode von Tatsumi Orimoto

Pulling the Bathtub, New York City, Bowery S. East Houston S., 1983 (Poster)
Tatsumi Orimoto war ein renommierter japanischer Künstler, der 1946 in Kawasaki-City geboren wurde, wo er 2025 starb. Er arbeitete international als Konzept- und Performancekünstler und nutzte Fotografien, Zeichnungen, Plakate sowie Mail Art, um seine ephemeren Werke anzukündigen und zu repräsentieren. Während seines Studiums in New York City knüpfte er Kontakte zu Nam June Paik und unternahm dort unter dem Einfluss von FLUXUS öffentliche Interventionen.
Von seinem Studio in Kawasaki aus initiierte Orimoto Performances, bei denen es um das Tragen von Objekten und die Kommunikation mit Tieren wie Hühnern und Schweinen ging. Seine Arbeit „Carrying a Baby-Pig“ steht exemplarisch für diesen dualen Ansatz der Interaktion mit Objekten und Lebewesen.

Carrying a Baby-Pig on my Back, Tojama-Farm, Shimotsuma-City, Ibaraki, Jp 2012
Seit den 1980er Jahren bereiste Orimoto Asien darunter China, Indonesien und Indien. In abgelegenen Regionen interagierte er mit Menschen, die den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft erlebten. Er erforschte Einstellungen und Verhaltensweisen anhand von Objekten wie Armbändern und Ohrclips, die er zu Kommunikationszwecken entwarf. Zum Beispiel befestigte er Ohrclips an den Ohren von Menschen, so dass sie über einen Draht mit anderen Personen sichtbar verbunden werden konnten.

Communication Art: „Pull to Ear“, Varanasi, India, 1987, Art Mama Foundation
Später erlangte Orimoto Berühmtheit dafür, dass er seinen eigenen Kopf und die Köpfe und Gesichter anderer mit Brot bedeckte. Er organisierte Gruppen von Menschen, deren Köpfe und Gesichter mit zahlreichen Broten und Baguettes bedeckt waren, und führte sie in den Ländern Amerikas und Europas durch Straßen, öffentliche Plätze, Museen, Züge, Busse usw.

Auch die Zusammenarbeit mit seiner Mutter und den Menschen im Stadtteil rief große Aufmerksamkeit hervor. Indem er sie in seine Arbeit einbezog, fand Orimoto nicht nur in der Kunstwelt Beachtung, auch unter Ärzten und Therapeuten, würdigte man seine Bemühungen, Menschen mit Alzheimer und Depressionen in das soziale Leben einzubeziehen.

Tatsumi Orimoto: Art + Medical Care: Collaboration Work with Alzheimer People, 2002, Katsuhira-en, Akita City, Japan, Art Mama Foundation
Zeit seines Lebens zeichnete er auf Reisen besonders auf Flughäfen und nach seinen täglichen Aufgaben in einer örtlichen Bar in Kawasaki. Die Themen dieser Zeichnungen drehen sich um Gewalt, Sexualität, das Zusammenleben in Wohnungen, auf öffentlichen Plätzen, in Geschäften und auf Jahrmärkten. Orimoto interessierte sich für die Dynamik von Konfliktsituationen und ihrer Eskalation zwischen einzelnen Menschen und Gruppen sowie innerhalb von Familien.

Tatsumi Orimoto: o.T. (Flughafen-Zeichnung) Stockholm 2005