Liberated Letters on Wheels of Poetry

A year ago Schröder was invited by “City of Wandsbek” to roll mono-wheels made from manuscripts in the streets of Hamburg-Wandsbek and through a near shopping mall. He asked passengers to through dices and contribute a number of letters equally to the numbers on the dice. Over the days from May 8th to 30th Schröder collected around 8000 letters, which were written by markers in different colors and thickness on the surfaces of the wheels. By rolling them the rotating objects generated sequences of words, names and tags depending on how members of the audience would look at the object.

Johannes Lothar Schröder: Rad der Poesie, Photograph: A. Galeano, johnicon, VG-Bild-Kunst

Johannes Lothar Schröder: Rad der Poesie,
Photograph: A. Galeano, johnicon, VG-Bild-Kunst

For more pictures and infos refer to: wandsbek1.de/foto-galerie
Also the pdf of the catalogue is available as dowonload: http://www.wandsbek1.de/dokumentation/

Johannes Lothar Schröder: Rad der Poesie Photo: Andrés Galeano, johnicon, VG-Bild-Kunst

Johannes Lothar Schröder: Rad der Poesie
Photo: Andrés Galeano, johnicon, VG-Bild-Kunst

Historically wheels of poetry were the latest objects in a series, in which Schröder recycles parts of his archive.  He started around 2000 to glue piles of manuscripts to carpets, which he for the first time showed as stage design of “Botenbösermär” (messengersofbadnews) in 2003. This theatrical piece, in which Necla Akgün combined the reports of ancient messengers, who had bad news in Greek tragedies of Aishylos, Sophocles and Euripides like “The Persians”, “Medea”, “Antigone” etc.

Later Schröder showed new and bigger versions of these objects to manifest that performance-art does not have traditional spaces like the opera, the cinema, the music-hall, the theatre, the painting-collection etc.  Elements built out of the paper-carpets were used as models of ambulant architecture like hangars, which could be used to store relicts of performances or even host performances.

Johannes Lothar Schröder: Rad der Poesie. Photograph: A. Galeano, johnicon, VG-Bild-Kunst

Johannes Lothar Schröder: Rad der Poesie. Photograph: A. Galeano, johnicon, VG-Bild-Kunst

Liberated Letters

Installations of that kind were realized during performance-festivals at Szczecin and Salzau www.performance-festival.de und during conferences of Performance Studies international (PSi) in New York, Mainz, Copenhagen und Utrecht. However the roots of his dealing with letters dig deeper in his personal art-history, in which he got early inspirations by the French Afficists in the 1960s and the Lettrist or Parole in libertà of the Futurists.

In relation to the liberated words of the Futurists Schröder calls the writings on his paper-objects „Liberated Letters“, which can be also read of recited in front of audiences.

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wandsbek1.de

all photographs ©johnicon, VG Bild-Kunst, Andrés Galeano

Zusammenstehen statt Schmelzen

Alexandru Pirici interpretiert „Fluids“ in Berlin

Eine Touristengruppe mit Segway-Rollern fährt eine Schleife über den Platz, um bei der nächsten Grünphase die Kreuzung zu queren. Auf ein Zeichen des Tourenführers mischen sich die Elektroroller zwischen die Fahrräder, die gleichfalls bei Grün losfahren. Auf der Fahrbahn anfahrend dröhnen die schweren Dieselmotoren der Busse und eines Baustofflasters. Vor ihnen zieht ein Motorrad davon und an den zum Stehen gekommenen Rechtsabbiegern vorbei. Als beim Umschalten der Ampeln der Lärm für Augenblicke versiegt, wird ein raunendes Summen vernehmbar. Es dringt von einer Gruppe Menschen herüber, die als Block zusammenstehen. An- und abschwellend singen die Freiwilligen, die diese Version der „Fluids“ von Allan Kaprow realisieren, einen Ton. Alexandru Pirici hat sie sich ausgehend von der Beschreibung des 10 Meter langen 3,40 m breiten und 2,60 hohen Gebildes des amerikanischen Künstlers überlegt und am 18. Sept. 2015 auf dem Potsdamer Platz realisiert.

Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst 2015

Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst 2015

Kalte Zeiten

Kaprow, der als Protagonist von Happenings bekannt geworden ist und den Begriff erfand, hatte „Fluids“ 1967 anlässlich der Retrospektive seiner Arbeiten im Pasadena Art Museum konzipiert. Sie sollten an 30 verschiedenen Schauplätzen im Großraum Los Angeles aufgebaut werden. Angeblich wurden 15 „Fluids“ aus insgesamt ca. 200 to Wassereisblöcken installiert. (Philip Ursprung: Grenzen der Kunst, München 2003, S. 191) Am 15. Sept. 2015 wurde eine Version dieser historischen Installation vor der Neuen Nationalgalerie aktualisiert. Nicht abwegig ist es anzunehmen, dass zahlreiche Besucher dieser Installation angesichts ihrer langsam dahinschmelzenden Substanz an den Klimawandel gedacht haben. Vor 48 Jahren war das anders. Damals sprach man vom „Kalten Krieg“ und von „Eiszeit“. Auch konnten Begegnungen zwischen Politikern und Künstlern aus den Ländern des Warschauer Pakts und der NATO „eingefroren“ werden. In den Zeiten des „Eisernen Vorhangs“ ging es außerdem um Territorien, wie sie durch die Eismauern, die praktisch 30 qm begrenzen, dargestellt worden sind. Insofern rekapituliert der Standort, den Pirici für ihre Variante von „Fluids“ wenige Schritte vom ehemaligen Verlauf der Berliner Mauer entfernt treffend ausgewählt hat, die Geschichte von „Fluids“ und die Zeit der Happenings.

Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst 2015

Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst 2015

Tempo

Drückte damals das schmelzende Eis auch die Hoffnung auf ein Ende der politischen Stagnation aus, so ist der relative Stillstand der wirtschaftlichen Verhältnisse seit dem Fall der Mauer einer zunehmenden Dynamik gewichen, so dass heute die schnelle Veränderungen zur sozialen Instabilität führten und die laufende Verflüssigung der Verhältnisse vielen Menschen Angst macht. Der Potsdamer Platz ist ein authentischer Ort dieser Entwicklung. Zur Zeit des Kalten Krieges war er durch die Mauer geteilt und gar nicht mehr als städtebaulicher Kreuzungspunkt zu erkennen, wogegen dort heute die ungezügelte wirtschaftliche Entwicklung einen städtebaulichen Ausdruck findet, der freilich anders als in den rasant wachsenden orientalischen Metropolen von den kulturellen Denkmälern des Kalten Krieges, dem Kulturforum mit Philharmonie, Bibliothek und Neuer Nationalgalerie gesäumt wird.

1970 baute Kaprow übrigens die „Sweet Wall“ nahe der Berliner Mauer aus mit Brot und Marmelade verbundenen Hohlblocksteinen. (Fotos dieses Happenings aus der Sammlung René Block, der dieses Happening organisiert hatte, sind gerade in der NGBK, Chausseestraße 8 noch bis zum 25. Jan. 2016 zu besichtigen.) Auch diese temporäre Installation wurde Happening genannt, weil sie nur errichtet wurde, um anschließend von den Erbauern umgeworfen und weggeräumt zu werden. Vor dem historischen Hintergrund der Happenings von Kaprow führt die Entscheidung der rumänischen Künstlerin Pirici, Menschen zusammenstehen und stundenlang mit einem summenden Gesang ausharren zu lassen, zu einem Bild der Standhaftigkeit von Menschen gegen neue Grenzbefestigungsanlagen.