„… an art that resists its context? …” Fäden und textile Flächen

zur Installation und Performance A LINE – WORKING, WEAVING
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Die Ausstellung A LINE – WORKING, WEAVING im Kunstverein Harburger Bahnhof http://www.kvhbf.de/lang/d präsentierte Textilien in verschiedenen Funktionen wie Vorhang, Seil oder Decke. Anders als viele Ausstellungen kunstfertiger Textilobjekte war diese Installation raumplastisch und auf einen performativen Gebrauch ausgelegt, wie es die Performance der Studenten Charlotte Arnhold, Johanna Bruckner, Nuray Demir, Jihie Kim, Charlotte Livine, Nina Ozan, Albina Siebert, Zuza Spyczak von Brzezinska, die den Workshop von Yael Davids besucht hatten, bestätigte. Vornehmlich wurden handelsübliche Stoffe verwendet. So ermöglichte schon ihre Kleidung den Performerinnen auf dem Rücken über den Fußboden zu gleiten. Eine Stoffbahn wurde als Abdeckung über Bauteile des Ausstellungsraums wie Treppengeländer und Fußboden gezogen, ehe sie dort zu einer schlangenartigen Doppelspirale zusammengelegt wurde. Die über dem Treppengeländer herabgehängten Haare von drei Performerinnen hoben den ältesten Naturstoff für Gewebe hervor. Laken waren zu einer von der hohen Decke des ehemaligen Wartesaals herabhängenden Strickleiter zusammengeknotet, so dass eine der Performerinnen dort hinaufsteigen konnte und kopfüber hängend die Statements der Workshop-Teilnehmerinnen verlas, die der Anspruch gefordert hatte, Sprache als Text mit den Texturen von Textilien zusammenzubringen: „… Can we speak of an art that resists its context? …“ war eine der Fragen.

A LINE - WORKING; WEAVING, 15.11.2013, Kunstverein Harburger Bahnhof photograph: johnicon, VG Bild-Kunst

A LINE – WORKING; WEAVING, 15.11.2013, Kunstverein Harburger Bahnhof
photograph: johnicon, VG Bild-Kunst

Raumplastisches Arbeiten und Textiles als Skulptur?

Im Statement zum Workshop sowie zur Ausstellung/Performance ist der derzeitigen Sprachregelung folgend von „Sprache und Skulptur“ die Rede und man fragt sich, welche Bildwerke gerade im Hinblick auf das textile Material hier gemeißelt werden sollen. Wenn es nicht möglich wäre, Dinge in Stoffe „einzuschlagen“, was allerdings eher mit Papier gemacht wird, müsste man am Materialverständnis derjenigen zweifeln, die dieser praktizierte Sprachregelung folgen. In diesem Zusammenhang sind zwei Ausstellungen in der Hamburger Kunsthalle „Line as an Object“ (GEKO) und „One More than One“ (Eva Hesse) nützlich, die Arbeiten von Künstlerinnen vorstellen, die mit Gewebestrukturen arbeiteten oder die wie Eva Hesse erstmals neue plastische Kunststoffe verwendet haben, um sich damit gegen bis dahin praktizierte Skulptur und die Stofflichkeit von irdenen Plastiken abzugrenzen.

Weil sich Textilien haptisch von Stoffen, die sich schmelzen und formen lassen, sowie von behaubarem Holz oder Fels unterscheiden, sind Textilien doch eine eigene Kategorie des raumplastischen Arbeitens. Auf diese Weise ließen sich Oberflächen sowie die räumliche und zeitliche Ausdehnung von Geweben besser mit anderen Bild- und Textoberflächen vergleichen. Schließlich sind einfache aus Schuss- und Kettfaden bestehende Gewebe dem Raster digitaler Displays und damit den Bildmedien vergleichbar. Hier kämen Arbeiten in der minimalistischen und konzeptuellen Tradition mit solchen aus der ikonographischen Kunst zusammen. Bildteppiche und Bilder auf Bildschirmen würden vergleichbar. (Vergleiche dazu: Tapisserien von Margret Eicher, die kürzlich in der Hamburger Galerie Carolyn Heinz http://carolynheinz.de/artist/margret-eicher zu sehen waren).

In performativer Opposition zum Sprachregime gegenwärtiger Kunstdiskurse zeigten die mit den Stoffen agierenden Künstlerinnen, dass sie es sich selbstbewusst leisteten, mit den Geweben in einer explizit femininen Tradition umzugehen, also mit ihnen den Raum teilten, Elemente der Innenarchitektur bedeckten, die Stoffe falteten und eindrehten. Die dabei hervorbrachten Bewegungen resultierten aus dem sachgerechten Umgang mit den Eigenschaften der Stoffe. Theatralische oder tänzerische Performativität der Bewegungen wurde erst durch Anspielungen z.B. auf  musikalische Aufführungen unterstrichen, die von einer Performerin ausgelöst wurde, die ihre Geige andeutungsweise auch auf dem Rücken durch den Raum rutschend strich.

A LINE - WORKING; WEAVING, 15.11.2013, Kunstverein Harburger Bahnhof photograph: johnicon, VG Bild-Kunst

A LINE – WORKING; WEAVING, 15.11.2013, Kunstverein Harburger Bahnhof
photograph: johnicon, VG Bild-Kunst

Zusammenfassend zeigte die Performance ihre Qualitäten besonders im Umgang mit Tuchen als metaphorisches Material, durch das schließlich Netzwerkstrukturen reflektiert werden können, die dazu dienen, zusammen zu arbeiten sowie Räume und Zeiten aufzuteilen, um die Beziehungen darin zu verwalten und zu beherrschen. Fäden und die daraus gemachten Stoffe können uns aber nicht nur verbinden und im Handeln einen, sondern auch einwickeln, einschließen, ausschließen oder sogar fesseln.

„… an art that resists its context? …”

was a statement of the workshop

The exhibition in the Kunstverein Harburger Bahnhof had different kinds of textile on display as curtain, as a rope or plaid. The performance of a group of young art-students (Charlotte Arnhold, Johanna Bruckner, Nuray Demir, Jihie Kim, Charlotte Livine, Nina Ozan, Albina Siebert, Zuza Spyczak von Brzezinska), who joined the workshop on textiles by Yael Davids, put fabrics into multiple use. First of all they used their own clothes as ready-mades, which allowed them to slide on the ground lying on their backs. Also a length of fabric was used as coverage and then rolled in a snake-like lay-out. Three of them let arms and hair hang free over a wall, to show awareness of the oldest material for fabrics. A super-long blanket was tied in knots and used as a rope-ladder fixed at the high wall of the old waiting-room of the train station.

A LINE - WORKING; WEAVING, 15.11.2013, Kunstverein Harburger Bahnhof photograph: johnicon, VG Bild-Kunst

A LINE – WORKING; WEAVING, 15.11.2013, Kunstverein Harburger Bahnhof
photograph: johnicon, VG Bild-Kunst

Hanging headfirst here one of the participating artists read the statements of the participants towards the end of the performance, which brought together the intention of the workshop to connect language and the plastic arts. Here the dubious modality, to name all types of installation and object-art sculpture, was unleashed and it was no question to read the quite different qualities of fabric and lines opposed to sculptural material like stone and wood. Two actual exhibitions at the Gallery of the 20th Century at the Hamburger Kunsthalle show the steps in the emancipation in the plastics arts by artists like Eva Hesse and objects with lines by GEKO.

Opposite to the contemporary philological regime of art-critics and curators Davids and her performers were very much aware of the qualities of the fabrics they used and showed explicitly feminine ways to deal with fabric such as dividing and concealing parts of the space, folding and hanging them in sometimes theatrical movements, which were however required by the shape of the material. There was even an aspect of a musical performance as one of the performers used her violin to show that it was feasible just to imitate the gesture of playing a violin while gliding on the floor in a lying position.

All in all the different parts of the performance showed the qualities of fabrics as metaphorical matter, when being in use. One could notice different kinds of collaborations and networking, which suggested cooperation and divisions in space and time, but also lead to inclusions as well as to exclusions, which weaved in or set apart.

Das Banale bedeuten – To Admit the Banal

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Andrés Galeano: Indexical, Performance am 9.11.2013 anlässlich seiner Ausstellung UNKNOWN PHOTOGRAPHERS  im Grimmuseum, Fichtestraße 2, Berlin
Bis zum 14. Dezember 2013

I. Aufmerksamkeit wecken

Mit “Hello, Thanks for coming… This is Grimmuseum… I’m Andrés Galeano…“, begrüßte der Künstler die Besucher seiner Performance INDEXICAL. Dann bezeichnete er nacheinander mit dem Finger Gegenstände,  Personen oder Gebäudeteile und benannte sie: “this is a cable…he is Christopher…these are my glasses…here is electricity…this is a banana…he is a photographer…this is a wall…this is a scarf…this is a lamp…this is my smartphone…this is a performance…and these are images…“ Sodann schob er eine Auswahl von kleinformatigen Fotos in den Lichtkegel unter einer Videokamera, um sie zu projizieren.

A. Galeano: INDEXICAL, Grimmuseum, Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst

A. Galeano: INDEXICAL, Grimmuseum, Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst

Er schichtete Foto um Foto auf, und man sah nacheinander z.B. Freunde, Familien, Gruppen und Vereine bei Ausflügen und beim Feiern. Großeltern zeigten Kinder etwas und diese ahmten das Zeigen nach. Kinder verschiedenen Alters, Paare und Freunde wiesen auf etwas hin. Die Fotos hielten fest, dass sie dabei jeweils den anderen, die Kamera oder das Ziel ihres Zeigens anschauten. Da keine Bestätigung dafür vorliegt, muss dies eine Behauptung bleiben, und berechtigt den Verdacht, dass der Finger auf gar nichts Bestimmtes zeigt, sondern lediglich die Geste des Zeigens reproduziert wird. Selten wirkte das Zeigen gedankenverloren. Meist war es ein Versuch Aufmerksamkeit zu erhaschen und meist direkt an die fotografierende Person adressiert. Dabei ging es dem Fotografierten darum, aufzufallen und sich damit selbst in Szene zu setzen, um die Aufmerksamkeit des Fotografen zu erregen. Diese Erkenntnis mag auch Galeano dazu gebracht haben, während der Performance Christopher (Hewitt) an der Videokamera mit seinem Namen oder mich als Fotografierenden mit einer Berufsbezeichnung direkt anzusprechen.

II. Gesten des Weisens

Die Sprachwissenschaft unterscheidet Signifikat und Signifikant. Die Arbeit von Galeano führt uns außerdem vor, dass es neben dem Gegenstand und seinem phonetischen Äquivalent auch ein gestisches Äquivalent gibt. Der Performer setzte wie die Fotografierten nicht nur den Sprechakt ein, sondern das Weisen, was zugleich die Einbeziehung eines bezeichneten Dritten bedeutet und ein Akt der Selbstdarstellung ist. Es handelt sich mithin um eine performative Handlung, die durch die Person hinter der Kamera beantwortet wird, wobei mithilfe der Kameraeinstellungen, des Auslösers und der belichteten Fläche ein überprüfbares Ergebnis erzeugt wird.

A. Galeano: INDEXICAL -  Alberto Giacometti vor Manhattan

A. Galeano: INDEXICAL                                   –               Alberto Giacometti vor Manhattan

Das hatten auch ein Fotograf und Giacometti bemerkt, als sie gemeinsam auf einem Ozeandampfer Manhattan anliefen. Dort bot sich der Künstler als Weisender als Motiv an, und mit dem Auslösen des Verschlusses wurde er und der Fotografierende augenblicklich zu Komplizen. Was vor ca. 70 Jahren noch eine gelegentliche Handlung gewesen seien mochte, hat Galeano als einen durch die Verbreitung der Amateurfotografie massenhaft ausgelösten Akt hervorgehoben und somit der Erkenntnismöglichkeit übergeben. Seine Sammlung in Verbindung mit der Performance ermöglichte außerdem die Erweiterung des Begriffs der Performanz aus der Sprachwissenschaft hin zum gestisch mimischen Akt vor Augen. Dabei wählt er das Mittel der Verdoppelung, das in einer Performance auch als Parodie eingesetzt werden kann. Darin ist der Hinweis enthalten, dass die Geste des Zeigens, die in der Ikonographie den Heiligen, Propheten, Priestern, Königen und Feldherren vorbehalten war, durch die massenhafte Verbreitung der stummen Fotografie zu einem Massenphänomen der bildhaften Mitteilung geworden ist.
© Johannes Lothar Schröder

TO ADMIT THE BANAL

Andrés Galeano: Indexical, Performance Nov. 9th, 2013 during the opening of his show UNKNOWN PHOTOGRAPHERS at Grimmuseum, Fichtestraße 2, Berlin
until December 14th, 2013

I. Attracting attention

“Hello, Thanks for coming… This is Grimmuseum… I’m Andrés Galeano.“ This is how the artist addressed his audience, which had gathered at the Grimmuseum for his Performance INDEXICAL. Sequentially he named things, persons or parts of the space: “This is a cable…he is Christopher…these are my glasses…here is electricity…this is a banana…he is a photographer…this is a wall…this is a scarf…this is a lamp…this is my smartphone…this is a performance…and these are images…“ In the following he put a choice of his collection of photographic prints in the beam of light underneath a camera.

A. Galeano: INDEXING, Grimmuseum, Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst

A. Galeano: INDEXING, Grimmuseum, Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst

He piled print on print and among others you could see couples, families and groups on excursions, on holiday and while celebrating. No matter if parents, grandparents, brothers and sisters, friends, lovers, colleagues, every picture showed someone pointing at things and people. The photographic images captured them looking at the camera or at objects, which they were indicating. Only rarely did anybody make the impression of being lost in thought, whereas many of the indexing persons seemed to point just anywhere, as they wanted nothing else than to attract the attention of the person taking a picture. This probably made the performer initially naming Christopher (Hewitt) at the video camera or pointing out the photographer.

II. Gestures of indexing

Linguistic discourses distinguish signifier and signified only. However Galeano’s performance demonstrates that the personas who were chosen to be photographed neither used speech nor did they act professionally but they made the area in front of the camera a space to perform in. Whoever had been photographed responded to the dispositive of photography, which requires gestures instead of words. This probably already happened in the 1950s, when Giacometti and a photographer were approaching or leaving Manhattan on the deck of a steamer. The artist made a gesture which extended the width of his body by pointing at something or nothing and the person who photographed clicked the camera. This made them become accomplices. The gesture of saints, prophets, emperors and generals was adopted by the artist being photographed. It could be that being special 70 years ago, but now – as Galeano showed – it had spread out as a mass phenomenon as taking pictures became a way of universal communication over the decades.

Galeano’s collection of amateur prints in combination with his performance leads not only to an expansion of the linguistic understanding of performances, but can be transferred to  amateurish photography, as it shows that multiple gestural and mimetic acts are included in private photographic albums. Following the iconographic element Galeano choose duplication, which is also kind of a parody of the exclusiveness indexing once has had in art-history as a gesture of gods, saints, prophets, kings and missionaries, while it became a mass-phenomenon of the contemporary digital exhibitionism.

© Johannes Lothar Schröder

Kondensstreifen

Spuren im Archiv

Re.act.feminism#2 lud am 9. Juli 2013 dazu ein, über „Performing the Archive“ zu diskutieren. Bettina Knaup und Beatrice E. Stammer organisierten die zweite europaweite Reise des Archivs, das vom 22. Juni bis 18. August in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg 10 gastiert. Pascale Grau stellte das von 2007 – 2012 von drei Schweizer Künstlerinnen verantwortete Projekt „archiv performativ“ vor. Außerdem berichtete Barbara Büscher über das DFG-Forschungsprojekt „Verzeichnungen“ an der Hochschule für Musik und Theater Leipzig. Mit ihrer Recherche über den „#duranadam“, den „standing man“ auf dem Istanbuler Taksim-Platz, begründete Jasmin Ihraç den Nutzen eines Archivs und seiner nach Schlagworten geordneten online verfügbaren Informationen exemplarisch. Franz Anton Cramer untersuchte die Video-Dokumentation der nun in den USA lebenden ungarischen Künstlerin Orshi Drozdik. Weitere Informationen ausblendend analysierte er das Schwarz-Weiß-Video phänomenologisch deskriptiv, um zu zeigen, wie eine Live-Performance im Archiv zu einem Schatten ihrer selbst werden kann. Diese Methode machte die Dokumentation der Performance „I try to be transparent“ (1980) zur Metapher für die Spur einer Performance im Archiv: sich auflösend wie ein Kondensstreifen.

Verfügbarkeit und Transparenz

Während Ihraç zeigte, wie aus einem Archiv über Tags mögliche Vorbilder und ähnliche Performances aufgefunden werden können, um historische Spuren von aktuellen Formen des Protestes zu erkennen, so ging Cramer dem Verschwinden des Lebens in einem Artefakt nach, in dem eine einzelne Künstlerin zu einer abstrakten Pixelfläche wird. Beider Äußerungen polarisieren und provozierten damit die grundsätzlichen Fragen nach der körperlichen Manifestation. Schreibt sich die Bewegung allein durch die physischen Aspekte der Erziehung, also durch Nachahmung und Training in jedes Individuum ein, oder trägt auch die Sammlung von Artefakten dazu bei, dass Menschen auf bestimmte Prototypen oder spezielle Formen des Handelns und der Darstellung zurückgreifen können?

Im Archiv; Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst-Bonn

Im Archiv; Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst-Bonn

Neben dem visuellen Dokument, dem Künstlernamen oder dem Titel von Performances finden sich in manchen Archiven und Publikationen auch Beschreibungen von Performances. Wie Pascal Grau herausstellte, rief diese bei ihren Erhebungen über den Nutzen verschiedenartiger Quellen in Archiven die positivsten Rückmeldungen hervor. Ihr Hinweis betonte, wie wichtig es ist, einen historischen Sachverhalt gedanklich zu durchdringen, damit er für weitere Forschungen zur Verfügung stehen kann.

Widerstand und Archiv

Die Darstellung des Archivs als ein Ort der Ordnung, der Ablagerung, des Auffindens von Geschichte und seine Unzulänglichkeiten provozierten eine Diskussion über die Geste des passiven Widerstands und den Nutzen des Archivs. Wie steht es mit seinem Verhältnis zur Aktualität? Wie steht es mit seiner Wirksamkeit im Zuge einer sich zuspitzenden politischen Auseinandersetzung? Und welche Bedeutung hat eine Quellensammlung, wenn es darum geht, sich die performativen Gesten und Handlungen der Menschheit anzueignen? Ist es nicht so, dass neben der Beschreibung von Handlungen und Ereignissen in Wort und Bild gerade die körperlich verfügbaren Gesten, Haltungen und Handlungen von Performern ein Potential darstellen, aus dem Menschen unmittelbar schöpfen, wenn sie unter Druck stehen. Im Fall der Katastrophe, wenn das Archiv unerreichbar ist, kann nur über das geistige und kulturelle „Gepäck“ verfügt werden, das internalisiert worden ist.

Insofern muss die Frage offen bleiben, wie sich der Austausch von Wissen um Formen des Widerstands ereignet. Welche Rolle spielen Archive und ihre Aktualisierung durch akademische Forschung? Inwiefern tragen diese dazu bei, wie und ob sich das Handlungspotential oder Handlungsspektrum mit dem biologischen oder soziobiologischen Gedächtnis von Körpern verschränkt und durch körpersprachliche Kommunikation weiter entwickelt?

Links:

Re.act.feminism: http://www.reactfeminism.org/

„archiv performativ“: http://www.zhdk.ch/?archivperformativ

DFG-Forschungsprojekt „Verzeichnungen“: http://www.hmt-leipzig.de/index.php?aid=1832