{"id":894,"date":"2019-10-03T17:48:21","date_gmt":"2019-10-03T15:48:21","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=894"},"modified":"2019-10-08T10:39:44","modified_gmt":"2019-10-08T08:39:44","slug":"gesten-im-permanenten-austausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=894","title":{"rendered":"Gesten im permanenten Austausch"},"content":{"rendered":"<p>Modalit\u00e4ten der Gestenforschung \u00a0bei Boris Charmatz, Fabian Marcaccio und Boris Nieslony<\/p>\n<h3>Gesten aus der Zeit holen<\/h3>\n<p>\u201e10.000 Gesten\u201c hei\u00dft die Choreografie von Boris Charmatz, die am Wochenende vom 27. \u2013 29. September 2019 auf Kampnagel in Hamburg von 20 T\u00e4nzer*innen aufgef\u00fchrt wurde. Nicht nur der Titel fordert eine Reflexion \u00fcber Gesten heraus. Erst recht der Vortrag der T\u00e4nzer macht deutlich, was Anzahl und Herkunft von Geb\u00e4rden bedeuten, die von weit her aus der Menschheitsgeschichte kommen und in die Zeit vor der Zeit reichen, aus der weder Zeichnungen noch Bilder erhalten sind, die wenigstens eine rudiment\u00e4re Nachvollziehbarkeit erm\u00f6glichen w\u00fcrden. Damit ber\u00fchren sich Gebiete der Vor- und Fr\u00fchgeschichte, Anthropologie, Bildwissenschaft und der Performance Studies. Zus\u00e4tzlich kommen Rituale, T\u00e4nze, Film, Theater, Spiele, Sport, Gymnastik, Feste und Feiern ins Spiel.<\/p>\n<div id=\"attachment_896\" style=\"width: 1219px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-896\" class=\"size-full wp-image-896\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv.jpg\" alt=\"\" width=\"1209\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv.jpg 1209w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv-300x141.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv-768x361.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv-1024x481.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/4157_10000_gesten__Gianmarco_Bresadola-Auschnitt-konv-500x235.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1209px) 100vw, 1209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-896\" class=\"wp-caption-text\">Boris Charmatz, Musee de la danse \u201810000 Gesten\u2019. Choreographie: Boris Charmatz, Choreographie Assistent: Magali Caillet Gajan, Licht Designer: Yves Godin, Kostueme: Jean-Paul Lespagnard, Stimmtraining: Dalila Khatir, Technische Leitung: Georg Bugiel, Fabrice Le Fur. Volksbuehne Berlin. Berlinpremiere: 14. September 2017.<br \/>Mit Djino Alolo Sabin, Salka Ardal Rosengren, Or Avishay, Regis Badel, Jessica Batut, Nadia Beugre, Alina Bilokon, Nuno Bizarro, Matthieu Burner, Dimitri Chamblas, Olga Dukhovnaya, Sidonie Duret, Bryana Fritz, Kerem Gelebek, Alexis Hedouin, R\u00e9my H\u00e9ritier, Samuel Lefeuvre, Johanna Lemke, Maud le Pladec, Mani Mungai, Jolie Ngemi, No\u00e9 Pellencin, Sol\u00e8ne Wachter, Frank Willens.<br \/>Foto: Gianmarco Bresadola, (Ausschnitt), Coutesy: Kampnagel, Hamburg 2019<\/p><\/div>\n<p>Eine erste Auff\u00fchrung des St\u00fccks hie\u00df\u00a0 folgerichtig auch \u201eMus\u00e9e de dance\u201c. Allein \u00fcber 2000 Geb\u00e4rden legte die schwangere Solistin nach ihrer sporadisch kurz einsetzenden eigenen Z\u00e4hlung in einem atemberaubenden Tempo innerhalb der ersten 10 Minuten auf der B\u00fchne vor. Das macht fast 4 Gesten pro Sekunde. Das ist weder Zauberei noch Betrug, denn schon 18 Gelenke an je einem Arm oder Bein potenzieren sich, nur je einmal bewegt schon beim Stillstand aller anderen Gelenke und bei je zwei Bewegungen gegen\u00fcber den nacheinander 16 anderen stillstehenden Gelenken, dann drei usw. bis zur gleichzeitigen Bewegung aller Gelenke lassen sich in der vierten Potenz zu \u00fcber 46.000 Bewegungen multiplizieren. Au\u00dferdem lassen sich die \u00a0Extremit\u00e4ten zus\u00e4tzlich unabh\u00e4ngig in alle m\u00f6glichen Richtungen bewegen. Schon deshalb entziehen sich Gesten einer mathematischen Berechnung, die erst recht nicht greift, wenn ihre Bedeutungen ermittelt werden sollen. \u2013 Im konkreten Fall h\u00e4tten wir au\u00dferdem die synchronen Bewegungen des mittanzenden F\u00f6tus zu ber\u00fccksichtigen! \u2013 Auch ist Beginn und Ende einer Geste, wie Charmatz es in einem Interview mit Gilles Amalvi 2016 problematisierte, (<a href=\"http:\/\/www.kampnagel.de\/kosmos\">www.kampnagel.de\/kosmos<\/a><u>) <\/u>fragw\u00fcrdig. Ein kinematografischer Ablauf muss also durch permanente \u00dcberg\u00e4nge ausgeglichen werden, um einen unerw\u00fcnschten Stillstand zu vermeiden. Also \u00fcbernahmen die T\u00e4nzer innerhalb dieses Feldes die Aufgabe, an die Grenzen der M\u00f6glichkeiten zu gehen, wobei sie auch ihr w\u00e4hrend der Ausbildung internalisiertes Repertoire objektivierten, \u00a0es mit Gesten des Alltags (Aufwachen, Augen reiben, sich strecken, Essen, Gehen, Laufen, Z\u00e4hne putzen etc.) anreicherten. Die zwanzigfache Tour de force umfasste schlie\u00dflich die Erkundung der Geb\u00e4rden vieler Berufe, der K\u00e4mpfenden, Streitenden, Redenden, Sterbenden, Erschreckenden und Erschrockenen, Beobachtenden und Beobachteten, Mordenden und in Agonie Liegenden, Helfenden, Tragenden und Getragenen, Verzweifelten und Tr\u00f6stenden, Hungernden und Speisenden, Bettelnden und Gebenden, Entdeckenden und Entdeckten, Verlierenden, Trauernden und Erheiterten, Fl\u00fcchtenden und Treibenden, Einladenden und Eingeladenen, Frierenden, Geb\u00e4renden, Singenden und Musizierenden.<\/p>\n<h2>An- und abschwellende Intensit\u00e4t<\/h2>\n<p>Die Aufgabe des Regisseurs war es, die gesammelten Ergebnisse der t\u00e4nzerischen Gestenforschung \u00fcberwiegend simultan auf die B\u00fchne zu bringen, was nach dem anf\u00e4nglichen Solo entfesselt von den aus verschiedenen Eing\u00e4ngen auf die B\u00fchne st\u00fcrmenden T\u00e4nzer*innen mit Schwarmintelligenz in Angriff genommen wurde. Beschleunigung und Beruhigung strukturierten das Chaos bis zu den Kippstellen, an denen sich die Solisten ber\u00fchrten, anzogen oder abstie\u00dfen sowie Paare, Gruppen und Rudel bildeten. Ein Rhythmus aus konzentrischen Kreisen, Zusammenst\u00f6\u00dfen und Pausen bildete sich mit der kaum merklich einsetzenden Musik des Requiems in D-Moll von Mozart heraus. Harmonie wurde nicht gesucht. Ans\u00e4tze dazu ergaben sich vielmehr aus dem An- und Abschwellen der Lautst\u00e4rke aus dem off und durch die Reibung der T\u00e4nzer*innen an den Bewegungen der anderen. Es ergaben sich Zusammenrottungen und Aufl\u00f6sungen sowie wechselnden Phasen der Korrespondenz, des Ignorierens und der Entgegnung.<\/p>\n<div id=\"attachment_898\" style=\"width: 1219px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-898\" class=\"size-full wp-image-898\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv.jpg\" alt=\"\" width=\"1209\" height=\"729\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv.jpg 1209w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv-300x181.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv-768x463.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv-1024x617.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/Entrega_de_las_llaves_a_San_Pedro_Perugino-konv-498x300.jpg 498w\" sizes=\"auto, (max-width: 1209px) 100vw, 1209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-898\" class=\"wp-caption-text\">Perugino: Angesichts der rhythmisch gestaffelten Gesten und eleganten Bewegungen erscheinen Gem\u00e4lde der Renaissance vorbildhaft. Man beachte die Aufstellung der Teilnehmenden am Hauptereignis und die Menschen auf dem Platz in Pietro Peruginos Christus \u00fcbergibt die Schl\u00fcsse an Petrus, das der Maler mit Assistenten in den Jahren 1481 \u2013 1482 als Fresko (335 x 550 cm) in der Sixtinische Kapelle des Vatikans gemalt hat. Nur wenige Attribute wie die Schl\u00fcssel und der Winkel des Baumeisters erg\u00e4nzen die Gesten. Quelle: gemeinfrei<\/p><\/div>\n<p>Die B\u00fchne wurde zur Agora, auf der sich trotz der Tr\u00e4gheit der Wahrnehmung innerhalb wechselnder Geschwindigkeiten des Vortrags und der Anzahl der T\u00e4nzer*innen Momentaufnahmen von Siegern, Rekordhaltern, Gest\u00fcrzten, Verlierern, Priester*innen, Held*innen, Krieger*innen, Trauernden, Feiernden aus allen Bereichen des \u00f6ffentlichen Lebens, sei es aus der Kunst, dem Sport, der Werbung, der Mode, dem Film, dem Theater, der Politik, der Wissenschaft zeigten. Je nach Tagesform und abh\u00e4ngig von kultureller und beruflicher Bildung konnten aus der laufenden Schau zeitgen\u00f6ssische Ausformungen psychophysischer Bewegungsmuster identifiziert und mit den Vorl\u00e4ufern geronnener K\u00f6rperbilder in Skulpturen, auf Mosaiken und Gem\u00e4lden abgeglichen werden. Pflanzende und erntende Bauern, Steine und Ger\u00e4te schleppende Arbeiter, Reitende und Jagende waren genauso vertreten, wie Ringende und sich Schlagende, Segnende, Triumphierende, Niedergeschlagene, Gefallene und Hingerichtete. Entsprechend gew\u00fcrzt waren die Gesten mit Anfeuerung, Demut, Resignation, Schrecken und Niedergeschlagenheit, mit Kratzen am Kopf, Raufen der Haare, Popeln in der Nase, Reiben an Ohren, Armen, Beinen und Genitalien.<\/p>\n<h3>Pr\u00e4gungen aufgeben<\/h3>\n<p>In kurzen Momenten gen\u00fcgten die Darsteller*innen in ihren Kost\u00fcmen von Jean-Paul Lespagnard, der sie in Schl\u00fcpfer, Unterw\u00e4sche, Overalls, Sommerkleider, Trikots, Neglig\u00e9s, Jumper oder Kombianz\u00fcge gesteckt hatte, sich selbst, um danach wieder mit Geschlechterrollen in Varianten von Protzen, Sich-Anbieten, Calisthenics, Kraftsport und Posen zu spielen. Imponierende Muskelschau konnte mit dem Wiegen der Br\u00fcste beantwortet werden, so wie k\u00fchne Spr\u00fcnge mit einem unterw\u00fcrfigen Rollen. Ein sich Aufb\u00e4umen wechselte mit Schlagen und Fallen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Intervention der 20 T\u00e4nzer*innen im letzten Viertel schlie\u00dflich die Publikumsr\u00e4nge st\u00fcrmten und die Zuschauer*innen in ihr adrenalinges\u00e4ttigtes Spiel mit Gesten verwickelten, z\u00e4hlten sie bereits in den Achttausendern, w\u00e4hrend sie einzelne Zuschauer in die Mangel nahmen, auf ihrem Scho\u00df sitzend wie Kinder ein Lenkrad drehten, ihnen ihren Schwei\u00df zu sp\u00fcren gaben, sogar den Hintern ins Gesicht streckten. Arbeit und Freizeit wurden konfrontiert. Anz\u00fcgliche Gesten und Ann\u00e4herungen hoben die Distanz zum Theaterdispositiv auf \u2013 man k\u00f6nnte sagen, dass es wirklich geschah \u2013 kein Medium war mehr dazwischen. Folglich konnten Programmhefte zerrissen und Gesten der Z\u00e4rtlichkeit getauscht werden. Aber auch eine Reflexpr\u00fcfung am Knie fand statt, w\u00e4hrend ein aus dem r\u00fcckw\u00e4rtigen Teil der B\u00fchne grell beleuchteter Solist mit einem langen Schatten geschweift einsam weiter tanzte.<\/p>\n<h3>Fixierungsversuche<\/h3>\n<p>Diese unmittelbare Seite der Gesten aus t\u00e4nzerischer Sicht bezieht jedoch ihren Stoff auch aus der bildenden Kunst. Ihre physische Seite k\u00f6nnte man fast schon dank der Konzeptkunst vergessen haben, h\u00e4tten sich nicht viele K\u00fcnstler*innen wie Bruce Naumann, Ulrike Rosenbach oder Marina Abramovic intensiv mit dem K\u00f6rper besch\u00e4ftigt. Auch haben sie ihn wie etwa Chris Burden durch Body Works als Skulptur neu definiert. Weniger bekannt ist hingegen, dass Fabian Marcaccio zwischen 1989 und 2004 ein Kompendium von 661 Malgesten angelegt hat. Er nannte seine Enzyklop\u00e4die der Spuren des physischen Farbauftrags \u201econjectures for a new paint management\u201c (~Hypothesen zur Neuordnung der Malerei). Man erkennt sofort, um wie viel schwerf\u00e4lliger ein indirektes Verfahren der Bewegungsaufzeichnung ist, in dem von Spuren ausgegangen wird, die eine mit Pinsel und Farben bew\u00e4hrte Hand auf einem Malgrund hinterl\u00e4sst. Doch auch in <em>10.000 Gesten\u2026<\/em> entstand eine malerische Spur: Nachdem alle T\u00e4nzer auf die B\u00fchne eingefallen waren, beruhigten sich kurzzeitig alle Bewegungen als sich ein T\u00e4nzer l\u00f6ste und mit der Zunge zwei sich kreuzende Spuckespuren auf die Mitte des Tanzbodens vor dem Publikum leckte.<\/p>\n<h3>Immer unterwegs: Gesten in Fluss<\/h3>\n<p>Gleichwohl ist die Auseinandersetzung auch in der Performance-Kunst nicht nur aktionistisch. Nachdem in den 1970er Jahren der deutsche K\u00fcnstler Boris Nieslony das Feld der direkten Auseinandersetzung zwischen Kollegen als aktionistisches Terrain entdeckte, bezog er auch die physischen M\u00f6glichkeiten der Begegnung in den Dialog und schlie\u00dflich in seine Performances ein. Gleichzeitig gab er nicht nur die Malerei auf, sondern begann Abbildungen von menschlichen Gesten und Verhaltensweisen zu sammeln.<\/p>\n<p>Nieslonys Leistung liegt in der Erforschung von Gesten und Verhaltensweisen mittels einer Bildersammlung, die als <em>Das anthropognostische Tafelgeschirr<\/em> firmiert. Die Sammlung von Ausrissen aus Zeitungen, Zeitschriften und Illustrierten umfasst heute ca. 40.000 St\u00fcck, die in hunderten Archivk\u00e4sten und Ordner gesammelt und nach Themen geordnet sind, die Bereiche der menschliche Bewegungen und Verhaltensweisen wie das Gehen, Umarmen, Schlafen, Tanzen, L\u00e4cheln und Sterben mit der dazugeh\u00f6rigen Mimik und Gestik umfassen. Inzwischen sind Tafeln entstanden, auf denen ausgew\u00e4hlte Beispiele f\u00fcr Ausstellungen ausgebreitet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"attachment_899\" style=\"width: 1219px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-899\" class=\"size-full wp-image-899\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv.jpg\" alt=\"\" width=\"1209\" height=\"902\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv.jpg 1209w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv-300x224.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv-768x573.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv-1024x764.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087133-konv-402x300.jpg 402w\" sizes=\"auto, (max-width: 1209px) 100vw, 1209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-899\" class=\"wp-caption-text\">Ausschnitt aus einer der Tafeln zum Thema tragen.<br \/>Ansicht in der Ausstellung \u201eBoris Nieslony \u2013 Das es geschieht, Museum Ratingen bis 6. Okt. 2019, Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst Bonn 2019<\/p><\/div>\n<p>Der Beziehungen zwischen Nieslonys Sammlung und Aby Warburgs Fotosammlung (Bilderatlas) sind erst in letzter Zeit von Gerhard Dirmoser aufgezeigt worden. <a href=\"http:\/\/thelyingonthefloorabandonedtolie.blogspot.com\/\">http:\/\/thelyingonthefloorabandonedtolie.blogspot.com\/\u00a0<\/a>Die Motivation Warburgs, der als Kunsthistoriker gro\u00dfb\u00fcrgerlicher Herkunft die Kunstgeschichte nach Spuren der Weitergabe und Migration menschlicher Verhaltensweisen und Kommunikation nachging, lebt von anderen Voraussetzungen, doch bleibt seine These, dass die kulturellen Verhaltensmuster in der Geschichte der Menschen zwischen den Kontinenten wandern und ausgetauscht werden f\u00fcr das heutige Verstehen interkultureller Kommunikation grundlegend. Das permanente Entdecken von Geb\u00e4rden und die spontan zum Vorschein kommenden Bewegungen wie auch ihr Verschwinden, also der Fluss des kulturellen Repertoires, sind der Antrieb in diesem sparten\u00fcbergreifenden Feld, in dem sich T\u00e4nzer*innen, K\u00fcnstler*innen und ihr Publikum bewegen. Die Utopie liegt im Austausch.<\/p>\n<div id=\"attachment_902\" style=\"width: 1219px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-902\" class=\"size-full wp-image-902\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv.jpg\" alt=\"\" width=\"1209\" height=\"777\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv.jpg 1209w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv-300x193.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv-768x494.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv-1024x658.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2019\/10\/P9087126-konv-467x300.jpg 467w\" sizes=\"auto, (max-width: 1209px) 100vw, 1209px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-902\" class=\"wp-caption-text\">Boris Nieslony: Das Paradies 2019, Museum Ratingen, Foto: johnicon, VG-Bild-Kunst, Bonn<\/p><\/div>\n<p>Wie aber ist der Aust\u00e4usch zwischen denen, die sich bewegen, und denen, die dabei zusehen, organisiert? Wenn man bedenkt, dass ephemere Ereignisse nur relativ wenige Zuschauer erreichen, ist das Wissen um das Verh\u00e4ltnis von Bewegungen und Gesten zu Bildern und Bildmedien von Belang. Das Bewusstsein \u00fcber diese Zusammenh\u00e4nge l\u00e4sst sich an einem Modell ablesen, das Nieslony in der Ausstellung aufgebaut hat. Seit 1980 sammelt er Gl\u00e4ser, optische Linsen, Spiegel sowie Gegenst\u00e4nde aus den Bereichen Technik und Natur. Deren Installation in einer ausufernden Regalkonstruktion nennt er \u201eDas Paradies\u201c, weil sich die Teile zu realen und imagin\u00e4ren Maschinen zur Aufzeichnung, zum Betrachten und Verarbeiten von Bildern und Pr\u00e4paraten zusammensetzen lassen. Vielleicht gibt sich darin auch ein Modell des Wahrnehmungsapparates aus den erweiterten M\u00f6glichkeiten der Sinne und ihrer Vernetzung mit dem Gehirn zu erkennen. Ihr Zusammenwirken stellt sich ein bildender K\u00fcnstler nat\u00fcrlich anders vor als Physiologen und Psychologen und so gelingt es ihm mit seinem Wissen als Performer zur Herkunft der Gesten vorzusto\u00dfen, indem er die Abl\u00e4ufe befragt, in die er sich begibt, die er zul\u00e4sst, in die er hineinhorcht oder in die er gezogen wird, wenn er sich bewegt. Im Filmportr\u00e4t, das Gerhard Harringer 2010 \u00fcber Nieslony gedreht hat, stellt der Performer folglich die treffliche Frage: \u201eWas ist ein Bewegungsmuster bevor es Tanz wird.\u201c<\/p>\n<p>Johannes Lothar Schr\u00f6der<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Modalit\u00e4ten der Gestenforschung \u00a0bei Boris Charmatz, Fabian Marcaccio und Boris Nieslony Gesten aus der Zeit holen \u201e10.000 Gesten\u201c hei\u00dft die Choreografie von Boris Charmatz, die am Wochenende vom 27. \u2013 29. 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