{"id":761,"date":"2018-02-10T02:24:19","date_gmt":"2018-02-10T01:24:19","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=761"},"modified":"2018-02-18T19:00:13","modified_gmt":"2018-02-18T18:00:13","slug":"neuer-existenzialismus-als-folge-der-expansion-der-kuenste","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=761","title":{"rendered":"Neuer Existenzialismus als Folge der Expansion der K\u00fcnste"},"content":{"rendered":"<p>Es ist keine Neuigkeit dass der Aufbruch in den K\u00fcnsten seit den 1960 Jahren nicht nur B\u00fchnenbildner in die Museen geholt hat, sondern auch die Spezialisierung von Autoren mit interdisziplin\u00e4ren Fertigkeiten nach Orten der Pr\u00e4sentation verlangt, die Theater nicht bieten k\u00f6nnen, hingegen werden in Off-R\u00e4ume und Kunstinstitutionen, die sich diesen Feldern ge\u00f6ffnet haben, neue Erfahrungen f\u00fcr alle Beteiligten m\u00f6glich. Die GAK in Bremen setzt sich mit solchen Positionen auseinander. Noch bis zum 25. Februar 2018 zeigt Than Hussein Clark \u201eThe Director\u2019s Theatre Writer\u2019s Theatre\u201c Umgekehrt haben bildende K\u00fcnstler Video als ihr Medium definiert und auf das Wissen der Filmindustrie gesetzt sowie mit Theater experimentiert. Dadurch konnten sich eminent erfolgreiche Installationsk\u00fcnstler wie Bruce Nauman und Paul McCarthy entwickeln.<\/p>\n<h2>Horror der Existenz und Existenzbeweise<\/h2>\n<p>Ganz andere weniger Raum greifende und dennoch eindringliche Werke aus einer Privatsammlung pr\u00e4sentiert die Weserburg auf dem Teerhof gegen\u00fcber noch bis Ende M\u00e4rz 2018 (verl\u00e4ngert!). Schon der Titel \u201eProof of Life\u201c l\u00e4sst aufhorchen und erf\u00fcllt auch noch die geweckten Erwartungen. Die Ausstellung versammelt 76 Werke von K\u00fcnstlern, die die Expansion der K\u00fcnste gut beobachtet haben und ihre Konsequenzen als Maler, Bildhauer und Fotografen daraus gezogen haben. Sie vergegenw\u00e4rtigen die Grenzsituationen, wie sie von Performer in ihren besten Zeiten erforscht worden sind, und fixieren sie. Es ist vielleicht vermessen, das so eindeutig zu behaupten, doch liegt die St\u00e4rke dieser Sammlung in der Ballung von Werken, die sich so wie sie geh\u00e4ngt sind noch gegenseitig steigern. Der existenzialistische Druck, in den uns die Ereignisse und Br\u00fcche der letzten 100 Jahre in Europa und den USA bei durchweg guten materiellen Bedingungen gef\u00fchrt haben, wird transportiert. Es scheint, dass der \u00dcberfluss erst die F\u00e4higkeit und die Mittel erzeugt hat, derartige Forschungen zu betreiben und zugleich die Konzentration deutlich macht, mit der wir als Europ\u00e4er bestimmte Ph\u00e4nomene immer wieder neu zu erfassen und zu interpretieren zu versuchen. Mit der Bibel haben wir uns den Turmbau zu Babel als Erz\u00e4hlung der menschlichen Hybris angeeignet, die die Menschen in den Abgrund rei\u00dft. Jake &amp; Dinos Chapman haben mit <em>Tower of Babbel <\/em>ein Miniaturmodell mit Tausenden von sich lustvoll gegenseitig abschlachtenden Nazis gebaut, in dem sich Uniformierte, Behelmte und Verwundete mit Clownsfiguren vermischt, die den Totentanz anscheinend organisiert haben, den sie auf einem provisorischen Holzturm fortsetzen, von wo sie den Leichenhaufen kontinuierlich erh\u00f6hen. In dieser von einer Apokalypse gezeichneten Landschaft kann der Turm nicht einmal mehr ein Mahnmal sein. Keiner mehr wird es anschauen k\u00f6nnen \u2026<\/p>\n<p>Bilder, Objekte, Skulpturen, Installationen, Fotos und mehr in \u00e4hnlicher Qualit\u00e4t von folgenden K\u00fcnstlern haben weitere Aspekte so zugespitzt, dass man die aktuellen Themen nicht unbedingt vermissen muss. Es sind:<br \/>\nHilary Berseth, Louise Bourgeois, Berlinde de Bruyckere, Patrick van Caeckenbergh, Jake &amp; Dinos Chapman, George Condo, Anton Corbijn, Thierry de Cordier, Danny Devos, Tracey Emin, Tom Friedman, Line Gulsett, Damien Hirst, Roni Horn, Thomas Houseago, John Isaacs, Sergej Jensen, Nadav Kander, Anne-Mie van Kerckhoven, Anselm Kiefer, Esther Kl\u00e4s, Wolfe von Lenkiewicz, Alastair Mackie, Christian Marclay, Kate MccGwire, Richard Prince, Leopold Rabus, Daniel Richter, Terry Rodgers, Sterling Ruby, Richard Serra, Andres Serrano, Stephen Shanabrook, Mircea Suciu, Gavin Turk, Jonathan Wateridge.<\/p>\n<h2>Was bedeutet Theatralit\u00e4t?<\/h2>\n<p>Die Frage, warum und wodurch die Theatralik in der bildenden Kunst so bedeutend geworden ist, muss dann gar nicht mehr auf die GAK beschr\u00e4nkt bleiben. Ihre Leiterin Janneke de Vries hatte jedenfalls J\u00f6rn Schafaff aus Berlin eingeladen, um \u00fcber dieses Thema zu referieren. Anhand der Praxis von Rirkit Tiravanija wurde deutlich, dass zumindest bei isoliert gezeigten Objekten und Situationen in Ausstellungsr\u00e4umen ein Distanzierungseffekt auftritt, der die Einstellung des Publikums zu Nachstellungen privater R\u00e4ume und Mitteilung intimer Erfahrungen ver\u00e4ndert. Die erh\u00f6hte Aufmerksamkeit erm\u00f6glicht ein \u201eerfahrungsbasiertes Verstehen\u201c. Aus der theoretischen Diskussion ist die Kritik Michael Frieds mitzunehmen, die sich gegen die minimalistischen Objekte (Collum, 1961) und ihre Arrangements im Raum von Robert Morris richtete. Doch sind diese Objekte theatralisch? Morris versuchte sie ja durchaus durch Interventionen in Bewegung zu bringen oder gar umzuwerfen, was dazu f\u00fchrte, dass sowohl Allan Kaprow 1963 in \u201ePush and Pull. A Furniture Commedy for Hans Hoffmann\u201c wie auch Chris Burden mit \u201eSculpture in Three Parts\u201c (10. bis 12. September 1974) darauf Bezug nahmen. Burden benutzte eine S\u00e4ule als Platz f\u00fcr einen Stuhl, auf dem er so lange sa\u00df, bis er sich nicht mehr halten konnte und abst\u00fcrzte, und Kaprow machte die M\u00f6bel durch Umr\u00fccken zu Akteuren, die zugleich auf Hoffmann als den Maler anspielten, von dem er als sein Assistent auch lernte, sich den Weg zum Happening zu bahnen. Beide K\u00fcnstler distanzierten sich durch ihre Aktionen sowohl vom Minimalismus glatter und polierter Objekte wie auch von einem bis heute gepflegten akademischen Verst\u00e4ndnis der Theatralit\u00e4t. Dadurch gelangten sie zu einer Darstellungsform, der nicht nur eine k\u00fcnstlerische Demonstration gelang, sondern diese auch in Richtung einer Stellungnahme zu erweitern, die geeignet ist sich in akademische Diskurse einzumischen. In den 1970ern wurden also nicht nur Bilder Worte (Bilder werden Worte hie\u00df 1977 die Dissertation von W.M.Faust), sondern auch Installationen und Performances erwiesen sich als geeignet, auf Basis der aktuellen Diskurse aktionistisch Argumente vorzutragen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist keine Neuigkeit dass der Aufbruch in den K\u00fcnsten seit den 1960 Jahren nicht nur B\u00fchnenbildner in die Museen geholt hat, sondern auch die Spezialisierung von Autoren mit interdisziplin\u00e4ren Fertigkeiten nach Orten der Pr\u00e4sentation verlangt, die Theater nicht bieten &hellip; <a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=761\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[159,156,95,157,9,158,99],"class_list":["post-761","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rezensionen","tag-bremen","tag-existenzialismus","tag-happening","tag-minimalismus","tag-performance","tag-theatralitaet","tag-tod"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/761","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=761"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/761\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":768,"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/761\/revisions\/768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=761"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=761"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=761"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}