{"id":593,"date":"2016-10-18T22:30:05","date_gmt":"2016-10-18T20:30:05","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=593"},"modified":"2016-10-26T14:40:44","modified_gmt":"2016-10-26T12:40:44","slug":"anziehungskraefte-das-weiterwirken-der-body-art","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=593","title":{"rendered":"Anziehungskr\u00e4fte. Das Weiterwirken der Body-Art"},"content":{"rendered":"<p>Die Ausstellung \u201eOWL4 &#8211; Gegenspieler\u201c ist noch bis zum 1. Nov. im Marta Herford zu sehen.<\/p>\n<p>Die Ausstellung, die im Titel zuf\u00e4llig auch ein St\u00fcck des Namen meines Blogs tr\u00e4gt, doch in Herford den Kulturraum Ost-Westfalen-Lippe (OWL) meint, ist mir ein Anlass \u00fcber zwei wichtige Protagonisten der intermedi\u00e4ren Kunst aus verschiedenen Generationen zu schreiben.<\/p>\n<p>In den 1960er Jahren, als die Begriffe Intermedia und Body-Art in Deutschland nur geringe Resonanz fanden, war es eine gute Idee in die USA auszuwandern. Der in Herford 1935 geborene Hans Breder tat das, um seine Interessen nach dem Studium an der HFBK in Hamburg in New York zu realisieren. Als Assistent von George Rickey fand er seine eigene Interpretation des erweiterten Kunstbegriffs und pr\u00e4gte unabh\u00e4ngig von Dick Higgins den Begriff \u201eIntermedia\u201c mit einem von Anthropologie und K\u00f6rperkunst bestimmten Akzent.<\/p>\n<div id=\"attachment_598\" style=\"width: 839px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Hans-Breder_Body-Sculpture-6_1973-mArta-Herford-2016.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-598\" class=\"size-full wp-image-598\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Hans-Breder_Body-Sculpture-6_1973-mArta-Herford-2016.jpg\" alt=\"Hans Breder: Body\/Sculpture 6. Cuilapan Mexico, 1973, Vintage Silbergelatineabzug 19x19, Courtesy Hachmeister Galerie, M\u00fcnster (c) Der K\u00fcnstler\" width=\"829\" height=\"840\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Hans-Breder_Body-Sculpture-6_1973-mArta-Herford-2016.jpg 829w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Hans-Breder_Body-Sculpture-6_1973-mArta-Herford-2016-296x300.jpg 296w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Hans-Breder_Body-Sculpture-6_1973-mArta-Herford-2016-768x778.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 829px) 100vw, 829px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-598\" class=\"wp-caption-text\">Hans Breder: Body\/Sculpture 6. Cuilapan Mexico, 1973, Vintage Silbergelatineabzug 19&#215;19, Courtesy Hachmeister Galerie, M\u00fcnster (c) Der K\u00fcnstler<\/p><\/div>\n<p>Fotografien, die er \u201eBody\/Sculpture\u201c nannte, sind in der Ausstellung \u201eGegenspieler\u201c in seinem Geburtsort \u00a0zu sehen und bezeugen sein Interesse an surrealen Motiven. Die Arkaden, vor denen sich weibliche Schenkel und Hintern stapeln, verraten den Einfluss Giorgio de Chiricos und der Figuren von Hans Bellmer. Wo letzter durch Gelenke Schenkel, Hinterteile und Beine durch Gelenke grotesk verrenken konnte, verdoppelte Breder die Extremit\u00e4ten durch Spiegel, die so geschickt in die Landschaften oder vor Fassaden mit K\u00f6rpern arrangiert wurden, dass die gesichts- und rumpflosen \u00a0Wesen zu Vielbeinern und -f\u00fc\u00dfern mutieren. Diese in Mexiko realisierten Fotoserien trafen den Geist der Zeit, so dass Breder, der 1970 das \u201eCenter for Performing Arts\u201c an der staatlichen Universit\u00e4t von Iowa mitbegr\u00fcndete, sp\u00e4ter dessen Direktor wurde. Ber\u00fchmte Sch\u00fcler waren Ana Mendietta und Charles Ray. Gut, dass Breder durch seine Verbindung mit der Universit\u00e4t Dortmund seine Auffassung der K\u00f6rperkunst, wenn auch sp\u00e4t, schlie\u00dflich in Deutschland propagieren konnte.<\/p>\n<div id=\"attachment_594\" style=\"width: 636px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WP_20160929_15_44_19_Pro-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-594\" class=\"size-full wp-image-594\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WP_20160929_15_44_19_Pro-2.jpg\" alt=\"Isabelle Wenzel, Installation mit Fotos in der Ausstellung, Foto: johnicon, VG Bild-Kunst\" width=\"626\" height=\"840\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WP_20160929_15_44_19_Pro-2.jpg 626w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/WP_20160929_15_44_19_Pro-2-224x300.jpg 224w\" sizes=\"auto, (max-width: 626px) 100vw, 626px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-594\" class=\"wp-caption-text\">Isabelle Wenzel, Installation mit Fotos in der Ausstellung, Foto: johnicon, VG Bild-Kunst<\/p><\/div>\n<p>Eine weitere K\u00fcnstlerin fiel im Rahmen der Ausstellung sowohl durch die Posen der abgebildeten K\u00f6rper wie auch durch den zur Pr\u00e4sentation der unterschiedlich gro\u00dfen Fotos gebauten K\u00e4fig auf. Die Fotos von Isabelle Wenzel (Jg. 1982) waren au\u00dfen \u2013 potentiell auswechselbar \u2013 an dem frei im Raum stehenden K\u00f6rper angebracht. Die Gesten der Modelle und oft auch der K\u00fcnstlerin selbst sind in ihrer Festigkeit beeindruckend. Das gilt besonders, wenn man wei\u00df, dass die K\u00fcnstlerin oft ihr eigenes Modell ist. Sie entwickelt f\u00fcr eine bestimmte Orte eine Bildidee, richtet die Kamera ein und muss dann die abgebildeten Posen in den wenigen Sekunden einnehmen, in denen der Selbstausl\u00f6ser der Kamera l\u00e4uft. Die Gesten und Posen beeindrucken wegen ihrer Originalit\u00e4t, die nicht den Vorgaben aus Mode und Werbung entsprechen. Eher erinnern sie an barocke Figuren und Bauplastik, die man weit oben an den Fassaden, unter Geb\u00e4udedecken oder hinter Alt\u00e4ren aus ungewohnten Blickwinkeln zu Gesicht bekommen kann. Die Eigenheiten der K\u00f6rpersprache k\u00f6nnte man auch von der besonderen Beziehung der K\u00f6rper zur Gravitation her verstehen und beschreiben. Die K\u00fcnstlerin h\u00e4tte dann die Erdschwere als Antagonisten gew\u00e4hlt, dem sie sich hingibt, um die zeitgen\u00f6ssischen Einwirkungen von Maschinen und Verkehrsmitteln auf den K\u00f6rper zu ignorieren. Sie verh\u00e4lt sich so, als w\u00fcrde man mit dem durch Body Art gepr\u00e4gten Blick die Schwere von Menschen fotografieren, die ohne maschinelle Hilfsmittel in Industrie und Landwirtschaft arbeiten.<\/p>\n<div id=\"attachment_599\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Isabelle-Wenzel_wuppertal2-mArta-Herford.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-599\" class=\"size-full wp-image-599\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Isabelle-Wenzel_wuppertal2-mArta-Herford.jpg\" alt=\"Isabelle Wenzel: Field Studies - Wuppertal 2, 2015, Inkjet Fine Art Print, 100x133, (c) Die K\u00fcnstlerin\" width=\"840\" height=\"629\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Isabelle-Wenzel_wuppertal2-mArta-Herford.jpg 840w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Isabelle-Wenzel_wuppertal2-mArta-Herford-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Isabelle-Wenzel_wuppertal2-mArta-Herford-768x575.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/10\/Isabelle-Wenzel_wuppertal2-mArta-Herford-401x300.jpg 401w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-599\" class=\"wp-caption-text\">Isabelle Wenzel: Field Studies &#8211; Wuppertal 2, 2015, Inkjet Fine Art Print, 100&#215;133, (c) Die K\u00fcnstlerin<\/p><\/div>\n<p>Nicht, dass ich die Arbeiten der anderen K\u00fcnstler \u00fcbergehen wollte, die wie die Fotos und Videos von Jacqueline Doyen mit den an von ihr selbst entworfenen Ger\u00e4ten turnenden Modellen, einen Einblick in das Weiterwirken der Body Art geben, beschr\u00e4nke ich mich doch auf die genannten Beispiele. Weitere K\u00fcnstler in der Ausstellung sind Renke Brandt, Andrea Gr\u00fctzner, Seha Ritter, Britta Thie, Michael Wei\u00dfk\u00f6ppel und Suse Wiegand<\/p>\n<p>(c) Johannes Lothar Schr\u00f6der<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ausstellung \u201eOWL4 &#8211; Gegenspieler\u201c ist noch bis zum 1. Nov. im Marta Herford zu sehen. 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