{"id":556,"date":"2016-06-29T23:59:14","date_gmt":"2016-06-29T21:59:14","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=556"},"modified":"2016-06-29T23:59:14","modified_gmt":"2016-06-29T21:59:14","slug":"geschwindigkeit-generationen-vatersuche-matriarchat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=556","title":{"rendered":"Geschwindigkeit \u2013 Generationen \u2013 Vatersuche \u2013 Matriarchat"},"content":{"rendered":"<p>Die Suche nach dem Vater steht im Mittelpunkt der Ausstellung <em>Teilen_Verbinden<\/em> von Annegret Soltau in der Kunsthalle der Sparkassenstiftung in der Kulturb\u00e4ckerei L\u00fcneburg im Juni 2016. Eine Sequenz im Raum h\u00e4ngender Folien, in die Selbstportraits eingeschwei\u00dft wurden, hei\u00dft \u201eVatersuche\u201c. An Stelle ihres Gesichts sind fragmentierte Schreiben von Dienststellen eingen\u00e4ht, die sie um Mithilfe bat, das Schicksal des vermissten Wehrmachtsoldaten aufzukl\u00e4ren, von dem sie nur ein Foto besitzt.<\/p>\n<div id=\"attachment_557\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_30_55_Pro01konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-557\" class=\"size-full wp-image-557\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_30_55_Pro01konv.jpg\" alt=\"Annegret Soltau: Vatersuche, 2003-2007, courtesy: Annegret Soltau, VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: johnicon\" width=\"840\" height=\"472\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_30_55_Pro01konv.jpg 840w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_30_55_Pro01konv-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_30_55_Pro01konv-768x432.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_30_55_Pro01konv-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-557\" class=\"wp-caption-text\">Annegret Soltau: Vatersuche, 2003-2007, courtesy: Annegret Soltau, VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: johnicon<\/p><\/div>\n<p>Um diese im Raum hintereinander aufgeh\u00e4ngte Reihe dutzender Folien sind weitere Fotoarbeiten gruppiert, zu denen Foto-Vern\u00e4hungen wie \u201eTransgenerativ\u201c <a href=\"http:\/\/www.annegret-soltau.de\/de\/galleries\/generativ-1994-2005\">http:\/\/www.annegret-soltau.de\/de\/galleries\/generativ-1994-2005<\/a> genauso geh\u00f6ren wie die zwei 150&#215;240 cm gro\u00dfen Fototableaus \u201eHindurchgehen 1 und 2\u201c.\u00a0 Sie bestehen aus je 240 Schwarz-Wei\u00df-Abz\u00fcgen von 6&#215;6-Negativen. Jedes einzelne zeigt ihren K\u00f6rper in Bewegungsphasen, die durch Ritzungen in den Negativen mit harten kontrastreichen Linien \u00a0dynamisiert wurden, bis sie sich in eine futuristisch anmutende abstrakte Figur verwandelt hatten. Jedes dieser hybriden Negative aus Ritzung und Fotos wurde mehrmals in einem anderen Stadium der Bearbeitung abgezogen, bis aus jeder Fotografie ein zeichenhaftes Gebilde und am Schluss ein schwarz gef\u00fclltes Quadrat geworden war. Der K\u00f6rper hatte sich so von seinem fotografischen Abbild in ein Zeichen von Bewegung und Geschwindigkeit verwandelt bis er verschwand.<\/p>\n<div id=\"attachment_558\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_35_44_Pro__highres02konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-558\" class=\"size-full wp-image-558\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_35_44_Pro__highres02konv.jpg\" alt=\"Hindurchgehen, Fototableau 150x240 cm (Ausschnitt), Die Bildrechte liegen bei: Annegret Soltau, VG Bild-Kunst, Bonn 2016\" width=\"840\" height=\"472\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_35_44_Pro__highres02konv.jpg 840w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_35_44_Pro__highres02konv-300x169.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_35_44_Pro__highres02konv-768x432.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_35_44_Pro__highres02konv-500x281.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 840px) 100vw, 840px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-558\" class=\"wp-caption-text\">Hindurchgehen II, Fototableau 1983-84, 150&#215;240 cm (Ausschnitt), Die Bildrechte liegen bei: Annegret Soltau, VG Bild-Kunst, Bonn 2016<\/p><\/div>\n<p>Wesentlich f\u00fcr die Entwicklung des fotographischen Werks von Soltau ist ihre Auseinandersetzung mit zeitlichen Prozessen, von denen die Geschwindigkeit ein Aspekt ist, den zuvor schon die Futuristen mit Krieg in Zusammenhang gebracht hatten. Mit den Fotosequenzen legt Soltau als eine der Body Art nahe stehende K\u00fcnstlerin die verschiedenen zeitlichen Ebenen offen, die sich in ihren K\u00f6rper eingeschrieben haben. Dabei erlauben es die bearbeiteten Negative, den Schauplatz der Einschreibung auf das fotographische Material zu verlegen und so von Leiden und Entbehrungen des K\u00f6rpers zu trennen, den einigen ihrer Zeitgenossen in Performances \u00f6ffentlich maltr\u00e4tiert haben. Die Abz\u00fcge von Selbstportraits, die jeweils mit echten Stecknadeln gespickt worden sind, best\u00e4tigen diesen symbolisch gewordenen Zusammenhang. Der Verlust des Vaters, die vergebliche Suche nach ihm und die Entbehrungen der Nachkriegszeit werden jeweils durch die Bearbeitungsprozesse des Bildmaterials als physische Erfahrung vergegenw\u00e4rtigt. So durchdrangen die Nadelstiche in Versatzst\u00fccke wie zerrissene Fotos und zerschnittene Dokumente und f\u00fcgten sie mit den daran h\u00e4ngenden F\u00e4den wie H\u00e4ute zu einem Ledermantel zusammen. Folien und Fotopapiere verhalten sich tats\u00e4chlich wie Surrogate gegen\u00fcber den traditionellen Materialien, die wie Pergament immer schon als Bildtr\u00e4ger genutzt wurden.<\/p>\n<div id=\"attachment_559\" style=\"width: 744px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_37_58_Pro__highres.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-559\" class=\"size-full wp-image-559\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_37_58_Pro__highres.jpg\" alt=\"Die Bildrechte liegen ich \u00fcberstochen, 1991\/1992, Foto, Stecknadeln (Ausschnitt), courtesy: Annegret Soltau VG Bild-Kunst, Bonn, 2016\" width=\"734\" height=\"840\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_37_58_Pro__highres.jpg 734w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/WP_20160626_14_37_58_Pro__highres-262x300.jpg 262w\" sizes=\"auto, (max-width: 734px) 100vw, 734px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-559\" class=\"wp-caption-text\">Die Bildrechte liegen ich \u00fcberstochen, 1991\/1992, Foto, Stecknadeln (Ausschnitt), courtesy: Annegret Soltau VG Bild-Kunst, Bonn, 2016<\/p><\/div>\n<p>Auf eine archaische Art und Weise werden die insgesamt vier Generationen der Frauen der Familie zu grotesk surrealen Bildern zusammengef\u00fcgt. Diese simultanen Ansichten verschiedenen Altersstufen von Frauen und M\u00e4dchen, die oft in einem K\u00f6rper kombiniert sind, offenbaren Erfahrungen von Familien, die den gewaltsamen Verlust eines Mitglieds kompensieren m\u00fcssen. In diesem konkreten Fall des gefallenen oder verschollenen Vaters f\u00fchren die Anstrengungen einen k\u00fcnstlerischen Ausgleich herbei, der ein Matriarchat verk\u00f6rpert, in das erst im Laufe der Zeit der Mann der K\u00fcnstlerin und der Vater ihrer drei Kinder einbezogen wurde. Die Werkgruppen \u201egenerativ\u201c und \u201etransgenerativ\u201c, zwischen 1994 und 2008 entstanden, bearbeiten diesen existenziellen Zusammenhang.<\/p>\n<p>Im Werk Soltaus schieben sich mehrere Zeitebenen ineinander: In den 1970er Jahren war es die Zeit und Raum komprimierende Dynamik der Bewegung, die letztlich auch ihrer zerst\u00f6rerische Wirkung ausmacht.\u00a0 Sp\u00e4ter wird diese mit der Lebenszeit von vier Generationen verschnitten und vern\u00e4ht. Und dar\u00fcber liegt die Zeit, die \u00fcber die Geschichte hinausweist in die Zeit der transhistorischen Erfahrung, aus der sich die \u201etransgenerative\u201c Erfahrung der Zeit des Matriarchats speist.<\/p>\n<p>Alle Werkgruppen und einzelne Werke sind auf der Homepage der K\u00fcnstlerin: <a href=\"http:\/\/www.annegret-soltau.de\">www.annegret-soltau.de<\/a> einzusehen.<\/p>\n<p>\u00a9Johannes Lothar Schr\u00f6der, VG-Wort 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Suche nach dem Vater steht im Mittelpunkt der Ausstellung Teilen_Verbinden von Annegret Soltau in der Kunsthalle der Sparkassenstiftung in der Kulturb\u00e4ckerei L\u00fcneburg im Juni 2016. Eine Sequenz im Raum h\u00e4ngender Folien, in die Selbstportraits eingeschwei\u00dft wurden, hei\u00dft \u201eVatersuche\u201c. 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