{"id":480,"date":"2015-10-02T15:31:15","date_gmt":"2015-10-02T13:31:15","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=480"},"modified":"2015-10-11T02:10:51","modified_gmt":"2015-10-11T00:10:51","slug":"eine-drehpunktperson-wird-siebzig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=480","title":{"rendered":"Eine Drehpunktperson wird Siebzig"},"content":{"rendered":"<p>Boris Nieslony begegnete ich in Hamburg, wo Besuche in der BuchHandlungWelt sowie das Theater der Nationen 1979 mit einem Performance-Programm mein Interesse an der Performance Art geweckt hatten. Im K\u00fcnstlerhaus in der Weidenallee trafen wir uns gelegentlich. An einem Winternachmittag schaute uns Dr. Coppi beim Schl\u00fcrfen des hei\u00dfen Bohnenkaffees, der mit Getreidekaffee gestreckt war, zu. Man sollte ihn fragen, ob er unsere Gespr\u00e4che noch erinnert.<\/p>\n<p>Bei einem unserer letzten Treffen in Hamburg vor Nieslonys Umzug nach D\u00fcsseldorf und dann nach K\u00f6ln zeigte er mir einen Band von Pier Paolo Pasolini (Corpi e luogi, Rom 1981). Darin waren Filmstills systematisch nach Themen, Orten, Darstellern, Gesten, Mimik und anderen k\u00f6rpersprachlichen Gesichtspunkten geordnet. Die archaischen Schaupl\u00e4tze waren nach Pasolini, der das kulturelle Erbe durch z\u00fcgellose Profitgier zerst\u00f6rt sah, f\u00fcr das Ged\u00e4chtnis der Menschheit essentiell. Das Kino sah er als ein Mittel, die \u201ein die K\u00f6rper eingeschriebene Geschichte\u201c zu bezeugen. Man muss bedenken, dass in der Zeit keine Videos von Kinofilmen verf\u00fcgbar waren, weshalb es schwierig war, die Eindr\u00fccke, die nach einem Kinobesuch blieben, zu belegen. Der Pasolini-Band muss Nieslony dazu bewegt haben, seine im Entstehen befindliche Bildersammlung von K\u00f6rpern, seinen Gesten und Bewegungen zu organisieren. Teile dieser Sammlung, die er \u201eAnthropognostisches Tafelgeschirr\u201c nennt, waren vom 27.2. bis 22.3.2015 im K\u00fcnstlerforum Bonn zu sehen. Ein Text mit Fotos aus der Ausstellung von Boris Nieslony und Gerhard Dirmoser \u201eLiegen-Sitzen-Stehen-Gehen-Springen-Fliegen\/Fallen. Was Menschen tun-und wie\u201c ist in dem Band Formen der Wissensgenerierung. Practices in Performance Art (hg. von Manfred Blohm und Elke Mark, ATHENA-Verlag Oberhausen 2015, S. 95-108) erschienen. Sowie: <a href=\"http:\/\/thelyingonthefloorabandonedtolie.blogspot.co.at\/\">http:\/\/thelyingonthefloorabandonedtolie.blogspot.co.at\/<\/a><\/p>\n<div id=\"attachment_481\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/P7034594entw.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-481\" class=\"size-full wp-image-481\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/P7034594entw.jpg\" alt=\"Boris Nieslony im Gespr\u00e4ch mit Marco Teubner am 3.7.2015 in Flensburg (Brise3) Foto: johnicon, VG Bild-Kunst\" width=\"1500\" height=\"1125\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/P7034594entw.jpg 1500w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/P7034594entw-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/P7034594entw-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/10\/P7034594entw-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-481\" class=\"wp-caption-text\">Boris Nieslony im Gespr\u00e4ch mit Marco Teubner am 3.7.2015 in Flensburg (Brise3)<br \/>Foto: johnicon, VG Bild-Kunst<\/p><\/div>\n<p>Dieses Archiv aus Tausenden von Ausrissen aus Illustrierten wurde von den besten Fotografen weltweit geliefert, und Nieslonys Sammlung antizipierte zudem die M\u00f6glichkeiten des Internets; denn er hatte bemerkt, dass Gesten und K\u00f6rpersprache in der Fotografie massenhaft vorhanden waren. Das Archiv bildet zudem einen wesentlichen Teil des umfangreichen plastischen, installativen, performativen und zeichnerischen Werks von Nieslony. Letzteres bewirkte \u00fcbrigens seine Entscheidung, Kunst zu studieren. Tote und Sterbende, denen er bei seiner Arbeit im Pflegeheim begegnete, hatten ihn veranlasst, sie zu portraitieren. Unzufrieden mit den Ergebnissen bewarb er sich mit dem Ziel, das Zeichnen zu lernen, an der Kunstakademie.<\/p>\n<p>Die Zweifel an der Endg\u00fcltigkeit eines Bildes haben ihn seitdem angetrieben und zum Anreger der Performance Art und zu einer wichtigen Drehpunktperson in Deutschland werden lassen, der K\u00fcnstler aus aller Welt zusammenbrachte. Er war 1977 Mitbegr\u00fcnder des K\u00fcnstlerhauses in der Weidenallee in Hamburg, von Black Market (1985-1997). Ab 1995 regte er eine Reihe von Performance-Konferenzen an, die sp\u00e4ter wie eine Staffel von verschiedenen K\u00fcnstlern an unterschiedlichen Orten fortgesetzt worden sind. Mehr als 10 dieser Konferenzen waren parallel zur akademischen Institutionalisierung der Performance Art wichtige Treffpunkte und M\u00f6glichkeiten des Austauschs.<\/p>\n<p>Mit diesen wenigen Fragmenten aus seinem Werk w\u00fcnsche ich dir lieber Boris zum 70sten Geburtstag Gesundheit und Schaffenskraft sowie weitere erfolgreiche Veranstaltungen mit dem aktuellen Projekt PAErsche!\u00a0\u00a0 <a href=\"http:\/\/paersche.org\/\">http:\/\/paersche.org\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Boris Nieslony begegnete ich in Hamburg, wo Besuche in der BuchHandlungWelt sowie das Theater der Nationen 1979 mit einem Performance-Programm mein Interesse an der Performance Art geweckt hatten. Im K\u00fcnstlerhaus in der Weidenallee trafen wir uns gelegentlich. 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