{"id":455,"date":"2015-07-31T20:15:44","date_gmt":"2015-07-31T18:15:44","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=455"},"modified":"2015-07-31T20:15:44","modified_gmt":"2015-07-31T18:15:44","slug":"wissen-in-aktionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=455","title":{"rendered":"Wissen in Aktionen"},"content":{"rendered":"<p>Auch in der dritten Auflage des Performance-Festivals von Brise\u00b03 vom 3. \u2013 5. Juli brachte die Initiatorin Elke Mark wieder verschiedene Generationen von Performern zusammen. Das ist die Praxis von <em>paersche<\/em> (homepage: <a href=\"http:\/\/www.paersche.org\">www.paersche.org<\/a>), deren Mitglieder das Festival mittags mit einer <em>open session<\/em> im Park auf dem Flensburger Museumsberg begannen.<\/p>\n<div id=\"attachment_456\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034520konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-456\" class=\"size-full wp-image-456\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034520konv.jpg\" alt=\"Ruedi Schill &amp; Monika G\u00fcnther, Perf. am 3.7. foto: johnicon, VG Bild-Kunst 2015\" width=\"1500\" height=\"1125\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034520konv.jpg 1500w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034520konv-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034520konv-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034520konv-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-456\" class=\"wp-caption-text\">Ruedi Schill &amp; Monika G\u00fcnther, Perf. am 3.7.<br \/>foto: johnicon, VG Bild-Kunst 2015<\/p><\/div>\n<h2>Sich bewegende Bilder<\/h2>\n<p>Gelassen und poetisch begannen Ruedi Schill und Monika G\u00fcnther das Abendprogramm. Sie klebte sich ein Papierstreifen an die Stirn, der \u00fcber den Nasenr\u00fccken bis zur Stirn reichte und gelegentlich vom Atem ger\u00fchrt wurde. Er zog nacheinander auf A6 gefaltete A2 B\u00f6gen aus der Ges\u00e4\u00dftasche, um sie auf 12 verschiedene Art und Weisen zu entfalten. Danach wurde der gerade entfaltete Bogen neu geknickt, gerollt, gedr\u00fcckt, zerkn\u00fcllt, get\u00fctet, gestrichen, gekn\u00e4uelt, ge\u00f6ffnet und dann der Schwerkraft \u00fcberlassen , die je nach Oberfl\u00e4che verschiedene Varianten des Fallens erzeugte.<\/p>\n<p>Zwei Fahrr\u00e4der steckten in einem Konglomerat aus Erde und Pflastersteinen, unter dem Bilderrollen steckten, die Helge Meyer &amp; Marco Teubner nach und nach entrollten und auslegten. Wof\u00fcr stehen die in schwarzer Farbe gebadeten H\u00e4nde der schwarz Beanzugten mit schwarzen Koffern? Stellen sie eine Art von hohen Priestern der Kehrseite unseres auf hohe Mobilit\u00e4t gegr\u00fcndeten Wohlstandes dar, in dessen Namen nicht nur die in den Statistiken aufgez\u00e4hlten Menschen geopfert werden, sondern gleichfalls eine ihre Zahl \u00fcbersteigende unbekannte Anzahl von Tieren?<\/p>\n<div id=\"attachment_457\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034523konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-457\" class=\"size-full wp-image-457\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034523konv.jpg\" alt=\"Helge Meyer &amp; Marco Teubner, Perf. am 3.7. 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Im Abendlicht erzeugten Evamaria Schaller &amp; Alice de Visscher sch\u00f6ne Bilder, die in \u00fcberraschende Aktionen m\u00fcndeten, als der mit Helium gef\u00fcllte Ballon z.B. im Aufzug nach Oben entschwand oder diagonal am Publikum vorbeiraste.<\/p>\n<div id=\"attachment_458\" style=\"width: 1113px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034578konv.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-458\" class=\"size-full wp-image-458\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034578konv.jpg\" alt=\"Evamaria Schaller &amp; Alice de Visscher, Perf. am 3.7. 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Dort schwebte auf einem Ponton einer luftg\u00e4ngigen Riesenqualle \u00fcber die mitsommerliche F\u00f6rde.<\/p>\n<div id=\"attachment_459\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034637.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-459\" class=\"size-full wp-image-459\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2015\/07\/P7034637.jpg\" alt=\"Elke Mark, Perf. am 3.7. 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Das aktiviert Ressourcen der Performance-Art, die besonders hinsichtlich einer beschleunigten Ausbildungs- und Berufswelt, die auch K\u00fcnstlerkarrieren in der Welt digitalisierten Wirtschaftens und Kunstschaffens nicht unber\u00fchrt l\u00e4sst. Dieser Austausch zwischen den Generationen, die internalisiertes Wissen und tollk\u00fchne Experimente teilen, ist eine kostbare Praxis in einer virtuellen Kommunikationswelt. Ein paar Tage lang wird Wissen physisch sichtbar gemacht und rituell geteilt. Ob das auch auf dem Gebiet des Archivierens geschehen wird, wird sich in den kommenden Jahren herausstellen, wenn die Nachl\u00e4sse der Generation von Performern zur Disposition stehen, die in den 1960ern und 70ern die Inspirationen der interdisziplin\u00e4ren Kunst, der Body Art, der \u00dcberschreitung etc. aufgriffen haben und als bildende K\u00fcnstler damit begannen, vor Publikum mit ihrem K\u00f6rper zu experimentieren. Jetzt stellt sich n\u00e4mlich die Frage, ob die Kulturrichter und ihre Geldgeber sich daf\u00fcr entscheiden, dieses Wissen auf die Boote zu laden, um es mit in die Zukunft zu nehmen oder es dem Abfall \u00fcberlassen. Eine Entscheidung f\u00e4llt aber nicht nur durch Archivierung der Relikte und Medien, auf denen Performances gespeichert werden, sondern auch in den Curricula der Schulen und Hochschulen, wo neoliberale Berater den Kunstunterricht und kulturwissenschaftliche Fachbereiche auf die Streichlisten setzen.<\/p>\n<h2>Ein Buch<\/h2>\n<p>Mit Formen der Wissensgenerierung\/Practices in Performance Art stellten die Herausgeber Manfred Blohm und Elke Mark einen Band vor, dessen Beitr\u00e4ge die paradoxe Verbindung zwischen Bild und Ephemeren untersuchen (ATHENA-Verlag, Oberhausen 2015, 203 Seiten). Das Tun \u2013 Wahrnehmen und Machen \u2013 f\u00fchren zu Ergebnissen, die weiterwirken, sei es dass sie bleiben oder verschwinden, sich manifestieren oder in etwas Anderes \u00fcbergehen. Entscheidend sind wohl die jeweilige Auffassung von Festigkeit und das Bed\u00fcrfnis nach Stabilit\u00e4t von Verh\u00e4ltnissen und Dingen. Die ruhigen Bilder und die Bed\u00e4chtigkeit, die den ersten Festivaltag bestimmten, waren m\u00f6glicherweise dem Streben nach Konsolidierung gedankt, mit dem sich Performance Art und Bildwelten sich aufeinander zubewegen.<\/p>\n<p>Johannes Lothar Schr\u00f6der<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auch in der dritten Auflage des Performance-Festivals von Brise\u00b03 vom 3. \u2013 5. Juli brachte die Initiatorin Elke Mark wieder verschiedene Generationen von Performern zusammen. 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