{"id":428,"date":"2015-04-25T23:07:02","date_gmt":"2015-04-25T21:07:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=428"},"modified":"2015-04-28T23:37:08","modified_gmt":"2015-04-28T21:37:08","slug":"die-gemeinsame-emanzipation-von-performance-medien-und-frauenkunst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=428","title":{"rendered":"Die gemeinsame Emanzipation von Performance-, Medien- und Frauenkunst"},"content":{"rendered":"<p>Auf einem Podium \u00fcber die Ausstellung feministischer Kunst in der Hamburger Kunsthalle am 23. April 2015 stellte Claudia Reiche als Moderatorin mehrfach die Frage nach der Fortf\u00fchrung der Positionen der 1970er Jahre in die Runde mit Kerstin Cmelka, Hanne Loreck und Annegret Soltau und fragte auch nach der Rechtfertigung des kriegerischen Avantgarde-Begriffs. Die Antworten der drei Generationen gaben Auskunft \u00fcber die eigenen Erfahrungen mit dem Impuls der 1970er, doch blieben weitergehende Gedanken auch mangels Konkretion der Fragen durchweg hinter dem schon Bekannten zur\u00fcck.<\/p>\n<h2>\u201eThe Amazing Decade\u201c<\/h2>\n<p>Die Vorstellung von Avantgarde betreffend sei an den durchschlagenden Titel des Buches von Moira Roth <em>The Amazing Decade<\/em> erinnert, das 1983 bei Astro Artz in Los Angeles erschienen ist. Im englische Adjektiv amazing, das \u201a<em>\u00fcberraschend\u2018<\/em> bedeutet, klingt zugleich auch Amazone an, was in der englischsprachigen Literatur auch f\u00fcr eine starke Frau (<em>Amazon<\/em>) benutzt wird und heute von einem Online-H\u00e4ndler vereinnahmt worden ist. In diesem Buch \u00fcber Performances von K\u00fcnstlerinnen in den 1970ern, wird der Impuls von Frauen als entscheidender Beitrag dieses Jahrzehnts herausgestellt. Diese fr\u00fch erfolgte theoretische und historische Kl\u00e4rung des Beitrags von Frauen f\u00fcr die Kunst ist beispiellos und hat neben den Beitr\u00e4gen von Lucy Lippard dazu beigetragen, die amerikanische Kunst nach der Abstraktion und Pop Art aus weiblicher Sicht in Position zu bringen.<\/p>\n<p>Die Diskussion in Hamburg machte nun 30 Jahre sp\u00e4ter den Versuch, die Positionen von K\u00fcnstlerinnen ohne einen Blick auf die sich parallel entwickelnde Performance-Art zu bestimmen. Obwohl die Ausstellung voller Fotos h\u00e4ngt und durch zahlreiche Videos erg\u00e4nzt wird, blieb auch die zunehmende Bedeutung von Medien wie Fotografie und Video f\u00fcr die Selbsterforschung, -beobachtung und \u2013darstellung unber\u00fccksichtigt. Daher war man nicht in der Lage, die \u00c4u\u00dferungen von Annegret Soltau aufzugreifen, die seit ihrer Studienzeit reproduzierende Medien benutzt. Sie begann mit Druckgrafiken und dokumentierte ihre Aktionen sp\u00e4ter mit und vor der Kamera, womit eine k\u00fcnstlerische Br\u00fccke zu Videoarbeiten der 1974 geborenen Kerstin Cmelka bestand. Der sich hier bietende Einstieg blieb leider offen.<\/p>\n<h2>Die Chancen des Undefinierten<\/h2>\n<p>Ohne den Weg \u00fcber die Bedeutung der bildgebenden fotografischen und elektronischen Medien l\u00e4sst sich nicht verstehen, dass die fehlende Anerkennung dieser Techniken in den 1970ern die K\u00fcnstlerinnen von vorne herein aus der damaligen Kunstwelt ausschloss. Das Positive daran war, dass die Geschichte der Neuen Medien damals noch nicht geschrieben war, weshalb ihr f\u00fcr die Emanzipationsbestrebungen gro\u00dfe Bedeutung zukam; denn sie waren vom \u2013 damals durchweg m\u00e4nnlichen \u2013 Kunstestablishment noch unbeleckt. Auf den noch nicht durch Definitionen umrissenen Freiraum hatte damals zuerst Ulrike Rosenbach hingewiesen, die diese Erkenntnisse bei ihrem Aufenthalt in den USA gewonnen hatte, wo die feministische Szene mit politischen AktivistInnen vernetzt war. B\u00fcndnisse zwischen fortschrittlicher Kunst und Politik waren in Deutschland dagegen wegen der Vorbehalte der Linken gegen Kunst und neue Technologien schwierig oder gar nicht m\u00f6glich, wodurch die Durchschlagskraft der alternativen Bestrebungen in der Kunst stark eingeschr\u00e4nkt war. Selbst f\u00fcr die von M\u00e4nnern bestimmte Szene um Joseph Beuys gab es bei den Gr\u00fcnen wenig Resonanz, und K\u00fcnstlerinnen, die wie Rosenbach Professorin in Saarbr\u00fccken wurden, konnten alleine in einer \u00fcberwiegend kommerziell bestimmten Kunstlandschaft wenig erreichen. Die Resonanz musste \u00fcber den Markt errungen werden, was sich auch daran zeigt, dass in Hamburg 45 Jahre sp\u00e4ter mit dem Titel \u201eFeministische Avantgarde der 1970er Jahre\u201c aus einer Sammlung pr\u00e4sentiert wird.<\/p>\n<h2>Eigene Institutionen setzen Positionen durch<\/h2>\n<p>In den USA wurden dagegen in den 1980ern von Frauen starke Zentren gegr\u00fcndet und geleitet, von denen nur The <em>Womens Building<\/em> von der K\u00fcnstlerinnengruppe <em>The Waitresses<\/em> in Los Angeles explizit feministisch ausgerichtet war, alle anderen jedoch zur Durchsetzung von alternativen K\u00fcnsten gegr\u00fcndet worden waren: Dazu z\u00e4hlen die Zeitschrift <em>High Performance<\/em> (Claire V.C. Peeps, Linda Burnham) in Los Angeles; <em>Franklin Furnace<\/em> (Martha Wilson) und <em>New Museum<\/em> (Marcia Tucker) in New York City. Diese dienten der Durchsetzung von Performance- und Medienkunst und dienten damit auch dem Anliegen feministischen Kunstschaffens. Dagegen mussten die Protagonistinnen in Deutschland auf den Erfolg des \u201eMarschs durch die Institutionen\u201c bis nach der Wende warten, als erste Professorinnen einflussreiche Positionen erringen konnten und die Performance-Forschung auch in Deutschland eine akademische Disziplin wurde. Eine Ausnahme stellt die 1981 von Elisabeth Jappe und Alf von Kries gegr\u00fcndete <em>Moltkerei<\/em> in K\u00f6ln dar.<\/p>\n<p>Parallel zu den wissenschaftspolitischen Entwicklungen ist es nicht ohne Spuren geblieben, dass K\u00fcnstlerinnen auf der Suche nach Identit\u00e4t \u2013 und diese Frage wurde auch in dieser Diskussion gestellt &#8211; das Pers\u00f6nliche und Private thematisiert haben. Auch wenn diese Position weiterhin als un-k\u00fcnstlerisch kritisiert wird, so zeigt sich, dass das Private in der Kunst das Bewusstsein f\u00fcr den Wechsel zwischen den verschiedenen Rollen und Funktionen gesch\u00e4rft hat, die die meisten von uns im privaten, \u00f6ffentlichen und beruflichen Leben nicht selten innerhalb eines Tages einnehmen. Diese erfordern mehr oder weniger wechselnde \u00e4u\u00dferliche und innerliche Dispositionen, denen durch Verhaltensweisen, Bekleidung, Haltung und Umgangsformen entsprochen wird. Insofern entstand durch diesbez\u00fcgliche Recherche und Dokumentationen ein Bewusstsein f\u00fcr den nicht nur in einem Lebenszyklus sondern permanent sich ver\u00e4ndernden K\u00f6rper. Und diese seine <em>performance<\/em> und Darstellung ist ja wohl seit jeher ein Thema der Kunst. Kein Wunder also, dass <em>Performa<\/em> in New York City (organisiert von RoseLee Goldberg, on twitter: <em>@performaNYC<\/em>) sich dieses Jahr dem Thema Renaissance widmet.<\/p>\n<p>Johannes Lothar Schr\u00f6der<\/p>\n<h3>Ausstellung \u00bb Feministische Avantgarde der 1970er Jahre. Werke aus der SAMMLUNG VERBUND, Wien\u00ab Kunsthalle Hamburg noch bis 31. Mai 2015<\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf einem Podium \u00fcber die Ausstellung feministischer Kunst in der Hamburger Kunsthalle am 23. 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