{"id":378,"date":"2014-07-03T09:32:04","date_gmt":"2014-07-03T07:32:04","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=378"},"modified":"2014-07-03T09:32:04","modified_gmt":"2014-07-03T07:32:04","slug":"und-dann-kommt-das-wie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=378","title":{"rendered":"Und dann kommt das WIE"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2026 it\u2019s just a click away<\/strong><\/p>\n<p>Dank an Presseabteilung des St\u00e4dels in Frankfurt, die mich vor ein paar Monaten darauf aufmerksam machte, dass das Museum nun Teil des Google Art Projekts ist. Beim Durchklicken der Kunstwerke dort und in zahlreichen weiteren Museen der Welt und der auszugsweisen Sichtung all der fabelhaften bekannten und unbekannten Werke blieb ich beim <em>Turmbau zu Babel<\/em> von Peter Breughel dem \u00c4lteren von 1563 im Kunsthistorischen Museum in Wien h\u00e4ngen. Mir stockte der Atem beim Wiedersehen mit diesem Bilde unter diesen Bedingungen. Der Detailreichtum war mit den M\u00f6glichkeiten des Zoomens fast besser zu erforschen als es mir bei meinen Reisen nach Wien je gelungen w\u00e4re. Ich wanderte also in die Details der sich auft\u00fcrmenden Oberfl\u00e4chen dieses urbanen Kosmos aus dem 16. Jhd. und seines utopischen Geb\u00e4udes, das Himmel, Erde und die Gew\u00e4sser miteinander verbindet. Daran Ger\u00fcste sowie ganze H\u00e4user, die an dem Turm kleben, als w\u00e4re er ein Berg, an dem auch Menschen wie Ameisen hingen. Tatsachlich sind Teile auch der oberen Stockwerke noch aus dem gewachsenen Fels gehauen, der wie eine alpine Zinne einen erdgeschichtlichen Kern des Geb\u00e4udes bildet.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Google-Tower of Babel-Google<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Bild ist ein Sinnbild im elektronischen Turmbau unserer Zeit, das aus den Anstrengungen von unz\u00e4hligen Menschen zusammengesetzt ist, die sich die Geschichte und die vielen Speicher dieser Geschichte aneigneten, die nun auf den Bildschirmen der Welt verf\u00fcgbar gemacht werden und sich aus den Daten auf Millionen von Bildschirmen zusammenf\u00fcgen. Im Moment des ersten Anschauens hat diese Verf\u00fcgbarkeit schon etwas mit mir gemacht. Die kiloweisen Kunstb\u00e4nde und die wochenlangen Reisen zu diesen Werken stehen mit einem Mal in einer anderen Relation. Ob sie aber zur Disposition stehen, glaube ich nicht. F\u00fcr mich werden sie sich nicht er\u00fcbrigen, was man im ersten Augenblick annehmen k\u00f6nnte. Anders wird es f\u00fcr die Generation sein, die mit diesen heutigen M\u00f6glichkeiten aufw\u00e4chst. F\u00fcr mich geh\u00f6ren das Physische und die Reisen zu den Museen dazu. F\u00fcr mich bilden sie sogar die Voraussetzung daf\u00fcr, dass ich dieses Bild identifizieren kann, und sie haben meine M\u00f6glichkeiten gepr\u00e4gt und bereichert, sie bildeten das WIE, mit dessen Anleitung ich nun durch diesen anklickbar gemachten Datendschungel wandere. Die vielen anderen Bilder von Breughels Zeitgenossen, die ich in den letzten Jahrzehnten sah, sind Teil meiner Betrachtung; denn das Google Art Projekt folgt ja auf Google Earth, weil die Oberfl\u00e4chen der Kunstwerke hier eine Tiefendimension haben, die als die kulturelle Leistung von Menschen alle terrestrischen Oberfl\u00e4chen enth\u00e4lt, so wie es Google mit \u201eEarth\u201c anstrebte. Weil die K\u00fcnstler in die Tiefe der Prozesse gegangen sind, haben sie uns als Menschheit \u00fcberhaupt erst in die Lage versetzt, elektronische Datenverarbeitungsmaschinen und -systeme zu ersinnen und zu betreiben. Breughels Werk ist wohl eines, das der Komplexit\u00e4t der Organisiertheit von Kultur und kulturellen Netzwerken, wie dem einer Gro\u00dfbaustelle, sehr nahe kommt. Die \u201eBauherren\u201c von Flughafen und Konzertgeb\u00e4uden, denen heute ihre Vorhaben aus dem Ruder laufen, w\u00e4ren gut beraten gewesen, vor Beginn der Arbeiten mal einmal einen Blick auf das Bild von Breughel zu werfen.<\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten das nachzuholen sind nur ein paar Klicks entfernt. Doch dann kommt das WIE.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 it\u2019s just a click away Dank an Presseabteilung des St\u00e4dels in Frankfurt, die mich vor ein paar Monaten darauf aufmerksam machte, dass das Museum nun Teil des Google Art Projekts ist. 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