{"id":235,"date":"2013-07-06T10:32:25","date_gmt":"2013-07-06T08:32:25","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=235"},"modified":"2013-09-24T01:05:31","modified_gmt":"2013-09-23T23:05:31","slug":"eine-neueinsetzung-des-antiken-dramas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=235","title":{"rendered":"Eine Neueinsetzung des antiken Dramas"},"content":{"rendered":"<p>Georgia Sagri, Antigone Model (3rd Edition), Ongoing since 2010<br \/>\nPerformance am 4. Juli 2013, 15-21h, 3 \u00bd Kunstwerke, Berlin, Auguststra\u00dfe 69<\/p>\n<p>Sagris Antigone war ein Pferd, eine Wagenlenkerin, ein Model auf dem Laufsteg, eine Trauende, eine Lachende, eine Leidende, eine Ersch\u00fctterte, eine Gel\u00e4hmte, eine Sirene, eine Tr\u00e4gerin, eine Botin, eine Liebende, eine Niedergeschlagene, eine Tote, eine Aufstehende, eine sich Erhebende, eine Darstellerin, aber auch &#8211; als zeitgen\u00f6ssische Performerin &#8211; nichts von alledem. Diesen \u201aParcours\u2018 aus Innen und Au\u00dfen durchschritt sie zigmal w\u00e4hrend ihrer sechs Stunden langen Performance. Sie war die Ausdauernde: Mit Humor und Disziplin beschritt sie die Grenze zwischen Selbstverlorenheit und Selbstverliebtheit. So entfaltete sich eine Kraft aus Strenge und Lockerheit, welche die vielen Sequenzen bis zum Schluss bei steigender Intensit\u00e4t variierte. Dabei setzte die in New York lebende griechische K\u00fcnstlerin Tanz, Show, Spiel, Mimik, Gestik und vor allem ihre Stimme ein. Lachen, St\u00f6hnen, \u00c4chzen, Wiehern und Weinen steigerten mit dem Rhythmus ihrer Schritte die Wirkung ihrer Performance bis zum Schluss.<\/p>\n<div id=\"attachment_236\" style=\"width: 1510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/P7050422.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-236\" class=\"size-full wp-image-236\" alt=\"Johnicon: Georgia Sagri, 4. Juli 2013, VG-Bild-Kunst, Bonn\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/P7050422.jpg\" width=\"1500\" height=\"1125\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/P7050422.jpg 1500w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/P7050422-300x225.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/P7050422-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/P7050422-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 1500px) 100vw, 1500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-236\" class=\"wp-caption-text\">Johnicon: Georgia Sagri, 4. Juli 2013, VG-Bild-Kunst, Bonn<\/p><\/div>\n<p><strong>Der Chorus aus dem Laptop<\/strong><\/p>\n<p>Die einzelnen Episoden gliederte sie durch regelm\u00e4\u00dfige Schleifen in dem 200 qm gro\u00dfen Ausstellungsraum der Kunstwerke, nach denen sie jedes Mal an ihren Laptop zur\u00fcckkehrte, um aktuelle Klangsequenzen aufzunehmen oder zuvor gespeicherte einzuspielen. Auf diese Weise traten vorherige stimmliche und klangliche \u00c4u\u00dferungen mit aktuellen in einen Dialog oder erg\u00e4nzten sich chorisch. Oft verschmolz dabei Aufgezeichnetes und Aktuelles, so dass es schien, als w\u00fcrde der Chor des antiken Dramas hervort\u00f6nen. Wenn man sich auf den Titel dieses St\u00fccks besann, so konnte man glauben, die dem Untergang geweihten Gestalten der Trag\u00f6die von Sophokles h\u00e4tten ihre Stimmen auf einer Festplatte hinterlassen. Es schien jedenfalls, als w\u00fcrden mit dem minimalen Einsatz elektronischer Mittel die Stimmen der Antigone aus dem Orkus gerufen, die Polyneikes gegen das Verbot Kreons bestatten wollte, um dort mit ihm wieder vereint zu sein. (Nach dem griechischen Glauben konnte nur bestattete Tote in den Orkus gelangen.) Ob live oder aus dem Off, es waren die Stimmen, die das St\u00fcck zu einem Ganzen banden und ihm eine Spannung gaben. Konserven w\u00fcrden diese Aktualisierung von verschiedenen Zeiten und Orten unter den Fu\u00dfspitzen der Performerin l\u00f6schen. Deshalb wird an dieser Stelle nur eine Skizze gezeigt, die ich als Rezensent nach der Performance aus dem Ged\u00e4chtnis anfertigte. Sagri hat ein so ausdrucksvolles Gesicht wie eine Stimme und einen K\u00f6rper, welche ihre Erscheinung von einem Augenblick zum n\u00e4chsten wechselten.<\/p>\n<p>Phasen der Ruhe zwischen einzelnen Bewegungssequenzen erm\u00f6glichten kaum eine Regeneration; denn es wurden jeweils Einstellungen der Sounds und ihre Positionierungen innerhalb des Raums vorgenommen. Die Wiederholung in Varianten bewirkte eine Einpr\u00e4gung bis hin zur Einf\u00fchlung. Noch Tage sp\u00e4ter echoten die Stimme, das Lachen, das Wiehern und die Bewegungen. Kurz gesagt: Diese Performance vereinte viele der Anspr\u00fcche, die heute von interdisziplin\u00e4rer Arbeit gefordert wird, wobei dennoch der K\u00f6rper als Instrument der Aktion und als Quelle des Sounds durchgehend pr\u00e4sent war und starke Suggestionen bewirkte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georgia Sagri, Antigone Model (3rd Edition), Ongoing since 2010 Performance am 4. 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