{"id":1231,"date":"2025-11-25T19:41:08","date_gmt":"2025-11-25T18:41:08","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=1231"},"modified":"2025-11-25T19:48:36","modified_gmt":"2025-11-25T18:48:36","slug":"ein-anschlag-auf-die-wirklichkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=1231","title":{"rendered":"Ein \u201eAnschlag auf die Wirklichkeit\u201c"},"content":{"rendered":"\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eMein B\u00fccherregal ermahnt mich, in meinen Tr\u00e4umen regelm\u00e4\u00dfig,<br>&nbsp;dass es viel zu viel von diesem Alkohol tragen m\u00fcsse.\u201c<br>Dan Thy Nguyen, in: Die Arch\u00e4ologie meines Unwissens, meines<br>Sterbens und meiner Liebe,<br>&nbsp;in: <a>Buch Handlung Welt<\/a>. B\u00fccher, Hamburg 2023, S. 84f<\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur Ausstellung \u201eDas Gespenst in der Kurve\u201c Hilka Nordhausen<br>in der Hamburger Kunsthalle<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> bis 4. Januar 2026<\/h2>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Hilka Nordhausens Nachlass lag jahrzehntelang in der Obhut ihrer Familie und wurde von Bettina Sefkow verwaltet. Sie publizierte schon 1998 die Geschichte der von der Hamburger K\u00fcnstlerin gegr\u00fcndeten Buch Handlung Welt<em>. dagegen dabei<\/em> erschien im Michael Kellner Verlag und machte zugleich eine Reihe von erhellenden Beitr\u00e4gen zur Geschichte der alternativen Kunstszene in Hamburg zug\u00e4nglich. Nun, 32 Jahre nach ihrem Tod nahm die Hamburger Kunsthalle den Nachlass der K\u00fcnstlerin an, die 1993 in Berlin starb. Ihr Werk wird mit der Ausstellung \u201eDAS GESPENST IN DER KURVE\u201c bis zum 4. Januar 2026 vorgestellt. Interessenten sollten sich nicht dadurch beirren lassen, dass die Kunsthalle es unterlassen hat, die Ausstellung im Flyer <em>Kunst in Hamburg<\/em> anzuk\u00fcndigen. Folglich hat etwa <em>art-line<\/em> IV\/2025 diese Ausstellung weder in ihrer Ausstellungs\u00fcbersicht genannt noch rezensiert. Obwohl die Gr\u00fcnde f\u00fcr dieses Vers\u00e4umnis nicht ermittelt werden konnten, die die Bem\u00fchungen der Kuratorinnen der Ausstellung Corinne Diserens und Jana Pfort ins Leere laufen lassen, bleibt doch zu hoffen, dass sich diese Ausstellung \u00fcber zwei wichtige Jahrzehnte spezieller Entwicklungen der Kunst in Hamburg unter K\u00fcnstler*innen und Interessierten herumspricht.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Distanz \u00fcberbr\u00fccken<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Vers\u00e4umnis wirft allerdings Fragen danach auf, warum man noch nicht begriffen hat, dass die Bedingungen f\u00fcr die Kunststudent*innenjahrg\u00e4nge Anfang der 1970er Jahre besondere waren. Die Museen in Deutschland hatten die gro\u00dfen L\u00fccken, die durch die Kunstbarbarei der Nazis aufgerissen worden waren, zu schlie\u00dfen. Auch hatten sie alle H\u00e4nde voll zu tun, K\u00fcnstler wie Joseph Beuys und Dieter Roth zu verstehen, die den Krieg als junge Erwachsene erlebt hatten. Andere wie Max Ernst und Josef Albers kamen nicht aus dem Exil zur\u00fcck. Die w\u00e4hrend des Kriegs und danach geborenen K\u00fcnstler*innen kamen dabei zu kurz, zumal man sich auch noch der, um Jahrzehnte weiterentwickelten, Kunst der ehemaligen Feinde zuzuwenden hatte. Man hatte kein Interesse daran, sich \u00fcber die besonderen Umst\u00e4nde der k\u00fcnstlerischen Sozialisation dieser jungen K\u00fcnstlergeneration im Aufbruch Gedanken zu machen, zumal man sich noch daran machen musste, Dada, Neue Sachlichkeit und Bauhaus zu verdauen, w\u00e4hrend die u.s.-amerikanische Sicht schon Fluxus und Pop Art als Neo-Dada verstand. Sodann lie\u00dfen sich Gro\u00dfsammler wie Ludwig und Sprengel f\u00fcr ihre Sammlungen Museen bauen. In dieser Situation mussten sich die Absolventen der Hochschulen um 1970 eigene Orte f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Experimente suchen. In Hamburg spielte zudem der Mangel an Ausstellungsorten eine Rolle und da sich die jungen K\u00fcnstler*innen auch den damals neuen Reprodukionsm\u00f6glichkeiten wie Fotografie, Fotokopie und Offsetdruck mit ihren neuartigen Verbreitungsm\u00f6glichkeiten stellten, stie\u00dfen sie zus\u00e4tzlich noch auf Ablehnung.<a href=\"#_ftn1\">[2]<\/a> Um ihre Postition zu bestimmen, mussten sie selbst daf\u00fcr sorgen, dass ihr Ansatz theoretisch untermauert werden konnte, weshalb sie sich den neuen Bildsprachen schreibend n\u00e4herten.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Am Anfang stand das Wort<\/h2>\n\n\n\n<p><em>Buch Handlung Welt<\/em> hie\u00df der Laden in der Hamburger Marktstra\u00dfe 12. Sein Name fasste titelgebend die Herangehensweise der Generation Nordhausen zusammen. Am Anfang stand BUCH, weil man nicht nur Bilder \u2013 die gab es schon damals genug \u2013 sondern Argumente brauchte, um seine Position zu begr\u00fcnden. Dabei ging es nicht einmal mehr nur um Theorie und Kunstgeschichte. Wie schon die Surrealisten, von denen man damals zeitlich so weit entfernt war, wie wir heute von den legend\u00e4ren Ausstellungser\u00f6ffnungen f\u00fcr die jeweils neueste Wandmalerei, ben\u00f6tigte man neben der Theorie auch Poesie und Prosa, um sich in einer Welt zurecht zu finden, die damals von der Kriegsgeneration beherrscht wurde. Die in der Nachkriegszeit geborenen K\u00fcnstler*innen hatten andere Ambitionen. Auch weil sie \u201enur\u201c sekund\u00e4r traumatisiert waren, richteten sie ihre Kunst- und Wunschproduktion anders aus.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Selbst handeln und performen<\/h2>\n\n\n\n<p>HANDLUNG in der Mitte des Namens war folglich ein bedeutender Schl\u00fcssel zum Verst\u00e4ndnis der Lage der bildenden K\u00fcnstler in den 1970er Jahren. Fand bis dahin Life Art in den L\u00e4ndern der Sieger Entfaltungsm\u00f6glichkeiten vor, weil es dort aufgrund der exilierten K\u00fcnstler aus Europa Szenen gab, die das Erbe der Avantgarde z.B. in die USA getragen hatten.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[<\/a>3] Im deutschsprachigen Raum, wo die Protagonisten des Neuen vertrieben und verfolgt worden waren, stie\u00dfen junge K\u00fcnstler noch lange auf Skepsis oder Ablehnung und wurden schlimmstenfalls sogar bek\u00e4mpft. Die in Wien verurteilen Aktionsk\u00fcnstler zogen ins Exil nach Berlin, um der Einkerkerung in ihrem Heimatland zu entgehen.<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[<\/a>4]<\/p>\n\n\n\n<p>Um selbstbestimmt experimentieren zu k\u00f6nnen, war es notwendig, sich Freir\u00e4ume zu schaffen. In der Buch Handlung Welt konnten monatlich neue, \u00fcbereinander an die Wand gemalte, geritzte, gezeichnete oder geklebte Bilder entstehen. Sollten sie noch grob von Konventionen beeinflusst worden sein, konnte dieser Vorwurf sp\u00e4testens mit ihrem Verschwinden, das sie dem Markt f\u00fcr immer entzog, nicht mehr erhoben werden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"630\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det-1024x630.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1233\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det-1024x630.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det-300x185.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det-768x472.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det-488x300.jpg 488w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/IMG_5088det.jpg 1460w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Hilka Nordhausen, Ohne Titel (Krokodil), Wandinstallation aus Kartonagen, Ausstellungsansicht in der Ausstellung \u201eDas Gespenst in der Kurve\u201c, Foto: Bettina Sefkow, (2025)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Eigene Arbeiten von Nordhausen gingen noch einen Schritt weiter und verzichteten, bis auf wenige Farbspuren, Buchstaben und zeichnerische Spuren, auf Malmaterialien und -werkzeuge. Zwei ihrer in der Kunsthalle ausgestellten Wandarbeiten bestehen aus entfalteten und aneinandergef\u00fcgten Kartonagen. Nordhausen huldigte der damaligen Waren\u00e4sthetik, die g\u00e4ngige Logos auf Verpackungen verbreitete, die mittels Flexodrucks auf ungebleichter Pappe multipliziert wurden. Es f\u00e4llt auf, dass ihre Wahl Schnapskartons bevorzugte. Sie erinnern an den in den 1970er Jahren florierenden Alkoholkonsum, der gemessen am heutigen Prokopfverbrauch, vor 50 Jahren 50% h\u00f6her war. (1980 wurde ein H\u00f6chstwert von 15,1 ltr. erreicht, der auf ca. 10 ltr. pro Kopf f\u00fcr jeden \u00fcber 15-J\u00e4hrigen bis 2020 gesunken ist). Auch damals beliebte Zeitschriften und Magazine hat sich Nordhausen angeeignet, um sie Seite f\u00fcr Seite zu \u00fcbermalen und so in dunkle und gewellte Schichtobjekte zu verwandeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"381\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-1024x381.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1234\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-1024x381.jpg 1024w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-300x112.jpg 300w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-768x286.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-1536x571.jpg 1536w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-2048x761.jpg 2048w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/PXL_20250930_0958144432-500x186.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Blick in die Vitrine mit von Nordhausen \u00fcbermalten <em>stern<\/em> \u2013 Magazinen aus den Jahren von 1980 &#8211; 1985<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Exzessives Rauchen und Trinken bestimmten die Geselligkeit der Nachkriegsjahrzehnte. Dabei tobten die Traumatisierten des Zweiten Weltkriegs Erinnerungen an Schrecken und Grausamkeiten aus und teilten Unausgesprochenes situativ und rituell mit. Heute kann man das als eine selbstverordnete Traumatherapie sehen, die erst Jahrzehnte sp\u00e4ter begriffen wurde, als die ehemaligen Soldaten, Flakhelfer und Bombardierten mit schweren Depressionen in der Psychiatrie behandelt werden mussten. Hatten sie sich in Zeiten des Wirtschaftswunders an ihren Arbeitspl\u00e4tzen bet\u00e4ubt mit Alkohol und Tabletten in den Kampf um ein wachsendes Einkommen f\u00fcr Auto, Haus und Urlaub geworfen, waren sie als Rentner schlagartig mit ihrer Einsamkeit und Vergangenheit konfrontiert. Dann erst, nachdem die Katastrophe l\u00e4ngst eingetreten war, erkannten die behandelnden \u00c4rzte die Probleme.<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser spukhaften Umgebung der unterdr\u00fcckten \u00c4ngste sehnten sich die J\u00fcngeren danach, die WELT frei von der Hypothek ihrer Eltern zu entdecken. Wer nicht zu denen geh\u00f6rte, die Familienurlaube jenseits der Alpen bei den ehemaligen Verb\u00fcndeten verbrachten, trampte in die Nachbarl\u00e4nder, nach Griechenland oder war mangels Geld auf Phantasiereisen mittels Kunst, Musik und Literatur angewiesen. Pop Musik, Rock&amp;Roll und Punk aus England und den USA bestimmten das Lebensgef\u00fchl dieser Zeit. Entsprechend waren die Regale der Marktstra\u00dfe 12 mit amerikanischer Literatur von Emily Dickinson, den Beat Poets sowie Paperbacks und Magazinen aus dem Underground best\u00fcckt. Wer in Hamburg h\u00e4ngen blieb, konnte hier auch im Sommer Kunstkataloge, Raubdrucke franz\u00f6sischer Philosophen ohne Kaufzwang lesen und diskutieren.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery has-nested-images columns-default is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"745\" height=\"1024\" data-id=\"1235\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-745x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1235\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-745x1024.jpg 745w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-218x300.jpg 218w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-768x1056.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-1117x1536.jpg 1117w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-1490x2048.jpg 1490w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Einladung-BuchHandlungWelt-25-1-80-scaled.jpg 1862w\" sizes=\"auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"745\" height=\"1024\" data-id=\"1236\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125-745x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1236\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125-745x1024.jpg 745w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125-218x300.jpg 218w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125-768x1056.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125-1117x1536.jpg 1117w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125-1489x2048.jpg 1489w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/Scan_20251125.jpg 1854w\" sizes=\"auto, (max-width: 745px) 100vw, 745px\" \/><\/a><\/figure>\n<figcaption class=\"blocks-gallery-caption wp-element-caption\">l.) Veranstaltungsflyer auf gelbem Papier war ein Markenzeichen, r.) Nordhausens Buch 1990<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Hinaus in die Welt<\/h2>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit war auch der Hang zu Sekten verbreitet. In der Buch Handlung Welt konnten diejenigen, die einen Aufenthalt in Poona nicht anstrebten, ihre Asiensehnsucht bei Bl\u00e4ttern im Bildband von \u201eLADAK\u201c stillen, der einem noch heute auf den Fotos der B\u00fccherregale ins Auge springt. Der Wunsch, das \u201eDach der Welt\u201c zu erklimmen, war gro\u00df, wenn auch in der Marktstra\u00dfe Esoterisches eine untergeordnete Rolle spielte. Hilka Nordhausen kannte allerdings auch Karawanenwege. In einer der Vitrinen der Ausstellung in der Kunsthalle liegt das Buch \u201eMelonen f\u00fcr Bagdad\u201c mit dazugeh\u00f6rigen Objekten, darunter nachgeformte Kultmasken, Camel-Zigaretten-Reklame und aus zerkn\u00fclltem Papier geknetete Kamele, die im Lauf der Jahre durch Vergilbung eine kamelhaarne Farbe angenommen haben. Aus dieser Sicht wird klar, warum Nordhausen ihr Projekt als \u201eAnschlag auf die Wirklichkeit\u201c bezeichnete. Tats\u00e4chlich war es der Widerstand gegen die mit dem Wohlstand umsichgreifende Spie\u00dfigkeit, die auch das Reisen erfasst hatte und gegen die sich damals eine Gegenkultur mit Drogen, Tunix und Punk formiert hatte. Was in Hamburg von dem \u201eAnschlag auf die Wirklichkeit\u201c blieb, kann man durchaus als das Erbe von Nordhausen begreifen, deren Initiative eine bis heute in der Hansestadt bl\u00fchenden Kultur der von K\u00fcnstler*innen gef\u00fchrten Projektr\u00e4ume begr\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a9 Johannes Lothar Schr\u00f6der<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a>  Der Text ist weiter gefasst, als es f\u00fcr eine Rezension \u00fcblich ist, weil trotz der Ausstellung hinsichtlich des Status der K\u00fcnstlerin und der interdisziplin\u00e4ren Bedeutung ihres Wirkens Kl\u00e4rungsbedarf besteht.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[2]<\/a> \u00dcber die Situation in Hamburg bis in die 1990er Jahre vgl. J. L. Schr\u00f6der, abh\u00e4ngen. Bilder und Gef\u00fchle verwerfen, Hamburg 2022, S. 122 \u2013 124 <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[<\/a>3] Als wichtiges Beispiel ist das Black Mountain College zu nennen, das ein Ort der Lehre und des Experiments f\u00fcr schutzsuchende K\u00fcnstler wie Josef und Anni Albers sowie Xanti Schawinski wurde, an dem folgerichtig 1952 ein Protohappening stattfand. Ausstellung BLACK MOUNTAIN &#8211; ein interdisziplin\u00e4res experiment. 1933-1957, Hamburger Bahnhof, Berlin, Katalog, Spector Books, Leipzig 2015<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[<\/a>4] 1969 fl\u00fcchtete G\u00fcnter Brus mit seiner Familie nach Berlin, wo er mit Gerhard R\u00fchm (einer der Lehrer von Nordhausen an der HfBK) und Oswald Wiener die \u201e\u00d6sterreichische Exilregierung\u201c gr\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eMein B\u00fccherregal ermahnt mich, in meinen Tr\u00e4umen regelm\u00e4\u00dfig,&nbsp;dass es viel zu viel von diesem Alkohol tragen m\u00fcsse.\u201cDan Thy Nguyen, in: Die Arch\u00e4ologie meines Unwissens, meinesSterbens und meiner Liebe,&nbsp;in: Buch Handlung Welt. 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