{"id":1107,"date":"2024-06-14T00:20:23","date_gmt":"2024-06-13T22:20:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=1107"},"modified":"2024-06-19T13:39:27","modified_gmt":"2024-06-19T11:39:27","slug":"ephemere-denkmaeler-zur-situation-des-menschen-und-zur-uebernutzung-der-erde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/?p=1107","title":{"rendered":"Ephemere Denkm\u00e4ler zur Situation des Menschen und zur \u00dcbernutzung der Erde"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Dieter R\u00fchmann zum 85. Geburtstag<br>von Johannes Lothar Schr\u00f6der<\/h2>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Umkehr des Denkens<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine 50 Meter hohe aus \u00fcber 5000 Bl\u00e4ttern zusammen gesetzte Fotokopie eines Mannes hing kopf\u00fcber 1993 vor dem Turm der Ruine der Hamburger Nikolaikirche. Anl\u00e4sslich des 50. Jahrestages des \u201eFeuersturm\u201c genannten Bombenangriffs auf die Hansestadt hatte die Kulturbeh\u00f6rde der Freien und Hansestadt Hamburg und eine Firma f\u00fcr Mobilkr\u00e4ne dem Hamburger K\u00fcnstler Dieter R\u00fchmann erm\u00f6glicht, die Installation \u201eECCE HOMO\u201c zu pr\u00e4sentieren. Zwei Telekr\u00e4ne hielten die tonnenschwere fast 60 Meter hohe Installation vom 29. \u2013 31. Juli 1993 vor dem Turm aufgespannt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"742\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441-742x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1109\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441-742x1024.jpg 742w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441-218x300.jpg 218w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441-768x1059.jpg 768w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441-1114x1536.jpg 1114w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441-1485x2048.jpg 1485w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/PXL_20221230_114932969-scaled-e1718314427441.jpg 1856w\" sizes=\"auto, (max-width: 742px) 100vw, 742px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dieter R\u00fchmann: ECCE HOMO, 1993 vor dem Turm der Ruine der Nikolaikirche in Hamburg ca. 5500 x 1300 cm, Foto: Ricklef M\u00fcller<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kopf\u00fcber<\/h2>\n\n\n\n<p>R\u00fchmann hatte die M\u00f6glichkeiten einer Umkehr w\u00e4hrend des Durchgangs seines Menschen durch die Kopiermaschine beobachtet und festgestellt: \u201eDoch dieser Mensch ist nicht gebrochen. Er ist unversehrt. Entgegen seiner aufrechten Gangart h\u00e4ngt er mit dem Kopf nach unten und symbolisiert die Umkehr unseres Denkens: Wir sind gewohnt, unsere Vorstellungskraft von unten nach oben, in abmessbaren Strecken, von einem Ziel zum n\u00e4chsten zu entfalten. Unser vermeintlicher Fortschritt zwingt uns in einem immer schnelleren Tempo zur Abkehr von uns selbst und von unserer Erde.\u201c R\u00fchmann sah die Notwendigkeit, die sich abzeichnende Selbstverleugnung zu unterbrechen und schlussfolgerte: \u201eECCE HOMO weist zur\u00fcck auf die Erde\u201c<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>, und diese Umkehr ist nicht unbeeinflusst von der Notwendigkeit der Ver\u00e4nderungen, die der Club of Rome in seiner Erkl\u00e4rung \u00fcber die Grenzen des Wachstums bereits 1972 anmahnte. Die Reaktion des K\u00fcnstlers darauf war nicht nur \u00f6kologisch motiviert, sondern umfasste medienkritische und ikonografische Ans\u00e4tze.<a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[2]<\/a> <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was uns immer noch besch\u00e4ftigt &#8211; vor 30 Jahren<\/h2>\n\n\n\n<p>Angesichts der versch\u00e4rften Klimakrise sehen wir heute die verw\u00fcsteten Stellen eines Planeten, den wir nach Gutd\u00fcnken gepl\u00fcndert haben, als w\u00fcrde es sich um einen Beh\u00e4lter handeln, der beliebig oft nachgef\u00fcllt werden k\u00f6nnte. Zur\u00fcckblickend gewinnt man vielmehr den Eindruck, dass die Einsichten und Mahnungen seitens der Wissenschaft nicht stark genug gewirkt haben, um eine Umkehr des Handelns herbeizuf\u00fchren. Das liegt offensichtlich daran, dass man Wachstum als eine nat\u00fcrliche Gegebenheit hingenommen hat, weil man es etwa von biologischer Vermehrung ableitete und die Frage der Ern\u00e4hrung als eine technische Angelegenheit zur S\u00e4ttigung von mehreren Milliarden Menschen mit der M\u00f6glichkeit, hohe Profite zu erwirtschaften, gesehen hat. Dabei hat man die Vergr\u00f6\u00dferung der Fl\u00e4che ignoriert, die ein im Wohlstand lebendes Individuum heute f\u00fcr sich beansprucht. Die Bed\u00fcrfnisse von Individuen verschlingen immer mehr R\u00e4ume und Ressourcen f\u00fcr industrielle Produkte, Schr\u00e4nke voller Kleidung, Regale und Lagerfl\u00e4chen mit Ausr\u00fcstung, Ger\u00e4ten und Maschinen etc. Immer mehr Menschen halten gemeinschaftlich benutzbare Dinge zum individuellen Gebrauch vor. Dazu kommen voll ausgestattete Zweit- oder Ferienwohnungen an verschiedenen Orten, Arbeitsr\u00e4ume und B\u00fcros, die nur 8 bis 10 Stunden am Tag benutzt werden. Hierbei sind Fahr- und Flugzeuge, sowie die Infrastruktur der unterschiedlichen Verkehrssysteme noch gar nicht ber\u00fccksichtigt. Auch Produktionsanlagen, Hallen und Minen, die Rohstoffe und Energie zutage bef\u00f6rdern, ihre Verarbeitung und Verteilung gew\u00e4hrleisten, ben\u00f6tigen immer gr\u00f6\u00dfere Fl\u00e4chen. Sie verschlingen Stadt- und Landschaftsraum sowie Energie und zuvor landwirtschaftlich genutzte Fl\u00e4chen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wie ein Hamburger K\u00fcnstler vor 26 Jahren auf die Katastrophe reagiert hat<\/h2>\n\n\n\n<p>Die von Reichtum und Gewinnmaximierung getriebene Lebensweise ist so raumgreifend geworden, dass f\u00fcr die Produktion von Feldfr\u00fcchten, Naturprodukten und Tieren immer weniger Platz bleibt, der au\u00dferdem oft noch mit Abf\u00e4llen, M\u00fcll und F\u00e4kalien verschmutzt wird. Nat\u00fcrlicher und naturnaher Lebensraum wird immer seltener; denn um den Rohstoffbedarf zu stillen werden Urw\u00e4lder und W\u00e4lder weiterhin gerodet und Moore trockengelegt. Gleichzeitig greifen W\u00fcsten und Steppen auf ehemaliges Weide- und Ackerland \u00fcber. Vor diesem Hintergrund von einem \u201e\u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck\u201c zu sprechen, verniedlicht das Problem. Wenn H\u00fchner auf einem zu engen Raum gehalten werden, fressen sie in k\u00fcrzester Zeit eine bl\u00fchende Wiese ab und hinterlassen eine platt getretene und mit F\u00e4kalien verschmutzte Fl\u00e4che, weshalb eine Nahrungszufuhr von au\u00dfen erforderlich wird. Wenn man Verkehr und Transportleistungen sowie die Kriege zur Durchsetzung der Bewegungsfreiheit mit den damit verbundenen Handelsinteressen dem Fl\u00e4chenverbrauch hinzuz\u00e4hlt, wird das ganze Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung durch Zivilisation \u00fcberschaubar. Auch akustisch ist dieses fast \u00fcberall als L\u00e4rm und Gepolter zu vernehmen, die selbst in der Nacht nicht mehr nachlassen. Man muss sich einmal die durch das Gewicht der Verkehrsmittel und die durch die Wucht der Beschleunigung entfaltete Gewalt vorstellen, um zu erkennen, dass Menschen die Welt messbar ersch\u00fcttern.<a href=\"#_ftn1\">[3]<\/a> Am Ende l\u00e4sst sich erkennen, dass die menschlichen Aktivit\u00e4ten permanente Beben ausl\u00f6sen. Die menschengemachte Dynamik auf der Erdoberfl\u00e4che kommt einem gewaltsamen Hineinrammen vieler Tonnen nahe. Mit einem solchen Bild vor Augen erscheint die im Folgenden beschriebene Aktion von R\u00fchmann nicht trivial. Sie sollte in die Erde gehen, um dort tats\u00e4chlich seismische Ersch\u00fctterungen hervorzurufen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/WP_20210725_11_59_31_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"519\" height=\"663\" src=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/WP_20210725_11_59_31_Pro.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1112\" srcset=\"https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/WP_20210725_11_59_31_Pro.jpg 519w, https:\/\/blog.owlperformanceart.eu\/wp-content\/uploads\/2024\/06\/WP_20210725_11_59_31_Pro-235x300.jpg 235w\" sizes=\"auto, (max-width: 519px) 100vw, 519px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Dieter R\u00fchmann: TOPOS, 1998, Entwurf f\u00fcr den Abwurf einer auf dem Kopf stehenden Pyramide auf einem Feld bei Stuttgart-Stammheim,  <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">TOPOS<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit TOPOS plante R\u00fchmann 1998, eine f\u00fcnf Tonnen schwere Pyramide aus Stahl und Beton von einem Hubschrauber auf ein freies Feld in Stuttgart-Stammheim abzuwerfen. F\u00fcr den K\u00fcnstler war TOPOS \u201eKeine Bombe, kein Flugapparat. Ein grundloses Objekt. Etwas, das vom Himmel f\u00e4llt, sich einrammt in den Boden, unverr\u00fcckbar.\u201c<a href=\"#_ftn2\">[4]<\/a> Damit wollte R\u00fchmann ein Zeichen der Umkehr setzen, das nicht zuf\u00e4llig an den Monolithen aus \u201a2001: Odyssee im Weltraum\u2018 erinnert, dessen Erscheinen allerdings r\u00e4tselhaft bleibt. Das schwarze quaderf\u00f6rmige Objekt aus Stanley Kubricks Film aus dem Jahr 1968 tauchte jeweils dann auf, wenn sich die Verfasstheit des Menschen durch Erweiterung seiner anatomischen und geistigen M\u00f6glichkeiten ver\u00e4nderte. Einmal gelang es einem Menschenaffen, seinesgleichen mit einem Oberschenkelknochen zu erschlagen und ein anderes Mal sandten zuk\u00fcnftige Menschen Weltraumfahrzeuge f\u00fcr Expeditionen zu anderen Planeten. Diese auch von R\u00fchmann mit \u201adjun-leb\u2018 1985 angerissenen Science-Fiction-Themen geben einen Begriff davon, dass auch Kunst mit der \u00fcberbordenden Produktion, dem weltweiten Handel und Ausstellungsbetrieb eher ein Teil des Problems als ein Teil der L\u00f6sung geworden ist. Als sich R\u00fchmann 1985 mit dem Thema Stoffwechsel aus der Sicht der Weltraumfahrt auseinandergesetzt hatte, war klar geworden, dass auch jeder Astronaut wie der K\u00fcnstler als \u201aArtonaut\u2018 irgendwann auf den Erdboden zur\u00fcckkehren muss, wobei der menschliche Stoffwechsel gegen\u00fcber dem Transport von Besatzungen und ihren Ausr\u00fcstungen als das weitaus gr\u00f6\u00dfere Problem hervortritt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Massen, die auf der Erde von Menschen bewegt werden<\/h2>\n\n\n\n<p>Mit TOPOS, dem Konzept f\u00fcr ein tonnenschweres Geschoss, verlieh R\u00fchmann der Beschleunigung von Masse eine skulpturale Quantit\u00e4t und aktionistische Qualit\u00e4t. Allein der Umstand, dass das Objekt und die Aktion au\u00dferhalb des Kunstkontextes den meisten Betrachter*innen absurd erschien, macht auch deutlich, wie stark die Entschl\u00fcsselung von plastischen Arbeiten verk\u00fcmmert ist. Die Kraft der Metapher f\u00fcr die verdr\u00e4ngten Umweltprobleme konnte damals nicht durchdringen. Dennoch n\u00e4herte sich R\u00fchmann dem Unbekannten in bisher ungekannter Sch\u00e4rfe und plante eine Intervention, die einem Terrorakt glich, was der Schauplatz, ein Feld in der N\u00e4he des Hochsicherheitsgef\u00e4ngnisses, in dem f\u00fchrende Mitglieder der RAF einsa\u00dfen, unterstrich. Die aus 1000 Metern H\u00f6he fallende Pyramide sollte der unglaublichen Gewalt von Masse und ihrer Beschleunigung eine k\u00fcnstlerische Gestalt geben. So konnte sie ein punktuell freigesetztes \u00c4quivalent der Energie sein, die wir Menschen mit den von uns gemachten Dingen Tag f\u00fcr Tag freisetzen. Dazu schrieb R\u00fchmann in der Dokumentation seiner Arbeiten: \u201eDie Terror-Anschl\u00e4ge brachen mit einer ihnen eigenen, unerbittlichen Gesetzlichkeit wie ein Naturereignis in das friedliche Leben der Bundesb\u00fcrger ein. Die Anschl\u00e4ge kamen unerwartet und waren f\u00fcr die meisten Bundesb\u00fcrger v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich.\u201c<a href=\"#_ftn3\">[5]<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kunst wie ein Terrorakt<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Licht dieser \u00c4u\u00dferung scheint die ungew\u00f6hnliche Aktion als eine Parallele zu den terroristischen Anschl\u00e4gen, die der Belastung der Welt durch menschliches Wirken ein Mahnmal setzt. Diese Aktion gab zugleich dem Zweifel daran eine Gestalt, ob die Richtung unseres Denkens \u201enach au\u00dfen oder nach oben\u201c richtig sei. R\u00fchmann hoffte durch das Objekt, \u201eeine Pyramide, die auf uns zurast\u201c, eine alternative Richtung von oben nach unten, also von oben auf uns zu kommend, nicht nur anschaulich, sondern auch physisch sp\u00fcrbar zu machen. Das Ereignis, das sich \u201egegen unsere Denkrichtung kehrt und so rational nicht zu begreifen ist\u201c, k\u00f6nnte seiner Meinung nach ein Anlass sein, \u00fcber eine Umkehr nachzudenken.<a href=\"#_ftn4\">[6]<\/a> R\u00fchmann leitet bis heute die Vorstellung, dass ein Kunstwerk einen Schrecken \u00fcber das menschliche Handeln ausl\u00f6sen k\u00f6nnte, um das Bewusstsein \u00fcber die Folgen unseres Handelns zu wecken; denn offensichtlich f\u00e4llt es uns als Menschen schwer, die Gewalt zu begreifen, die von unserer Lebensweise ausgeht.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Corona-Krise 2020 wurde die Menschheit von einem Ereignis getroffen, das alle erfasst hatte und nur gemeinsam \u00fcberwunden werden konnte. Es f\u00fchrte die letztendliche Machtlosigkeit des im rasenden Fortschritt nach immer neuen Rekorden gerichteten Denkens vor Augen. Die Reaktionen zur Bew\u00e4ltigung lassen, grob gesehen, zwei Richtungen erkennen. Unter den Politikern fallen diejenigen auf, die in der Lage sind, \u00fcber die Grenzen ihrer eigenen Interessen und ihre Machtposition hinauszublicken, um das N\u00f6tige zu tun. Andere ignorierten das wechselvolle Geschehen der Pandemie und \u00fcberlassen die Bev\u00f6lkerung der von ihnen regierten Staaten sich selbst. Als w\u00e4re das nicht schon genug des \u00dcbels, Ma\u00dfnahmen zu unterlassen, wiegeln sie auch noch Bev\u00f6lkerungsgruppen gegeneinander auf. Dabei suchen sie Schuld f\u00fcr die Desaster jeweils bei ihren politischen Gegnern oder wirtschaftlichen Rivalen.<a href=\"#_ftn5\">[7]<\/a> Auf der anderen Seite gibt es Staatslenker*innen, die umsichtig und f\u00fcrsorglich handeln und Voraussetzungen schaffen, um Menschenleben in ihrem Einflussbereich zu sch\u00fctzen, Kapazit\u00e4ten mit Nachbarn teilen und Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind, so gut es geht, zu unterst\u00fctzen.<a href=\"#_ftn6\">[8]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Die Lage ist kompliziert und neue Entwicklungen und Ereignisse fordern weitere Entscheidungen heraus. Schwieriger aber als Krisenmanagement wird es sein, die Basis f\u00fcr ein Umsteuern zu legen, damit nachhaltige L\u00f6sungen m\u00f6glich sind. Letztlich wird jeder Einzelne aufgefordert sein, zu handeln und in seinem Umkreis und Verantwortungsbereich mitzuwirken. K\u00fcnstlerische Arbeiten k\u00f6nnen als Elemente eines Fr\u00fchwarnsystems betrachtet werden. Auch wenn offen bleibt, ob sie tats\u00e4chlich zu einer konkreten Umkehr ermutigen, ist dieses Werk erneut zur Diskussion zu stellen, zumal TOPOS damals schon nicht realisiert werden konnte, weil dieser Arbeit die Vergabe von Mitteln und die Genehmigungen verweigert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Homepage <a href=\"http:\/\/www.buechse-der-pandora.de\/%207\">http:\/\/www.buechse-der-pandora.de\/ <\/a>zeigt weitere Pl\u00e4ne des Hamburger K\u00fcnstlers, die belegen, dass R\u00fchmann nicht aufgegeben hat, die herrschenden Hierarchien auf den Kopf zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text basiert auf einer historischen Darstellung und Er\u00f6rterung wichtiger Werke R\u00fchmanns im Buch &#8222;abh\u00e4ngen&#8220; des Autors (s.u.).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> R\u00fchmann, Dieter: ECCE HOMO. Eine Installation von Hans-Dieter R\u00fchmann in der Ruine der Nikolaikirche Hamburg vom 29.7. bis 31.7.1993. Hamburg 1993, o.S.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn1\" href=\"#_ftnref1\">[2]<\/a> Die folgenden Ausf\u00fchrungen beziehen sich auf diese Installation, die im Buch des Autors wie auch das Werk R\u00fchmanns dargestellt wird. (Schr\u00f6der, 2022) Im Folgenden werden die Seiten 133-137 in einem anderen Layout wiedergegeben. Abweichungen vom zitierten Text sind redaktionell bedingt.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[3]<\/a> Seismologen stellten w\u00e4hrend des durch die Corona-Pandemie durchgef\u00fchrten Lockdowns eine deutliche Verminderung der menschengemachten Ersch\u00fctterungen fest. https:\/\/science.sciencemag.org\/content\/early\/2020\/07\/22\/science.abd2438 (07.09.2020) 132<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn2\" href=\"#_ftnref2\">[4]<\/a> R\u00fchmann, o.J.<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn3\" href=\"#_ftnref3\">[5]<\/a> (R\u00fchmann, o.J.), S. 96<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn4\" href=\"#_ftnref4\">[6]<\/a> Ebd., S. 98<\/p>\n\n\n\n<p><a id=\"_ftn5\" href=\"#_ftnref5\">[7]<\/a> In den USA unter ihrem Pr\u00e4sidenten Trump waren es Liberale, die als Umst\u00fcrzler diskreditiert wurden, und China, das f\u00fcr die Schw\u00e4chen der amerikanischen Wirtschaft verantwortlich gemacht und als Ursache des Coronavirus hingestellt wurde. Die Unterlassung von Ma\u00dfnahmen f\u00fchrte den vermeidbaren vorzeitigen Tod von 300.000 Menschen (Stand Mitte Oktober 2020) herbei.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[8]<\/a> Zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Zeilen lie\u00df sich nicht absch\u00e4tzen, wie sich die Situation weiterentwickeln w\u00fcrde. Deshalb kann die tats\u00e4chliche Auswirkung der Coronakrise auf die m\u00f6gliche \u00f6kologische Umgestaltung der Wirtschaft erst in der Zukunft beurteilt werden. In Bezug auf die hier angesprochene k\u00fcnstlerische Leistung l\u00e4sst sich jedenfalls eine an die Schwierigkeiten des antizipierenden \u00f6kologischen Umdenkens greifende Verk\u00f6rperung erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>R\u00fchmann, Dieter: &#8230; macht die Kunst kaptt &#8211; es lebe die Kunst &#8230;, J\u00e4rnecke, Issendorf 1984.<\/p>\n\n\n\n<p>Pressespiegel: ECCE HOMO. Eine Installation von Hans-Dieter R\u00fchmann in der Ruine der Nikolaikirche Hamburg vom 29.7. bis 31.7.1993\u201c. &#8211; Hamburg 1993. <br><br>Schr\u00f6der, Johannes Lothar: abh\u00e4ngen. Bilder und Gef\u00fchle verwerfen. Dieter R\u00fchmann, Annegret Soltau, Boris Nieslony, ConferencePoint Verlag, Hamburg 2022<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieter R\u00fchmann zum 85. Geburtstagvon Johannes Lothar Schr\u00f6der Umkehr des Denkens Eine 50 Meter hohe aus \u00fcber 5000 Bl\u00e4ttern zusammen gesetzte Fotokopie eines Mannes hing kopf\u00fcber 1993 vor dem Turm der Ruine der Hamburger Nikolaikirche. Anl\u00e4sslich des 50. 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